Seltener Schreihals pfeift auf eine saubere Altstadt / Zweiter größerer Ort im Landkreis Stendal betroffen

 Saatkrähe besiedelt Osterburg

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Die Saatkrähe geht dem Menschen oftmals tierisch auf die Nerven. Ornithologen wissen auch von mehreren Nestern - unter anderem bei Beuster, Aulosen und Bismark.

Osterburg. Die schwarzen Vögel haben die zweite Stadt im Landkreis erreicht. Mindestens zwei Dutzend Saatkrähen brüten auf einer mächtigen Platane an der Kirchstraße in Osterburg.

Auf Gehweg und Straße ist Nistmaterial zu finden.

Mit dem bloßen Auge sind die Nester schwer auszumachen. Doch schon von Weitem ist das Krächzen zu hören. Dass Gehweg und Straße mit Kot und Nistmaterial übersät sind, zeugt im besonderen Maße davon, dass dieses Frühjahr etwas anders ist als sonst. Der gesetzlich geschützte und sehr ruffreudige Rabenvogel ist gekommen, um zu bleiben. Damit rechnet zumindest Torsten Friedrichs, Vorsitzender des Ornithologenvereins Altmark-Ost. Und: Anders als in Stendal könnte die Platane nach der Brut mangels Alternative das übrige Jahr als Schlafbaum dienen.

Die neuen Nachbarn dürften bei Anwohnern nicht sonderlich willkommen sein. Matthias Frank, Ordnungsamtsleiter der Stadt, weiß von einer Anfrage, was in diesem sensiblen Fall möglich sei und was nicht. „Die Tiere dürfen nicht einfach so verscheucht werden und bejagt schon gar nicht.“ Womöglich wisse ja der Landkreis oder besser das Landesverwaltungsamt Rat, die nötigen Kontakte habe die Grundstückseigentümerin jetzt. Frank kann die Bedenken der Bürger, die direkt von der Krähenkolonie betroffen sind, durchaus nachvollziehen, glaubt allerdings eher, dass sich Mensch und Vogel irgendwie arrangieren müssen.

Inzwischen gibt es wieder mehr als 500 Brutpaare in der Ostaltmark.

Vor zehn Jahren gab es in der Ostaltmark nicht ein einziges Brutpaar mehr, inzwischen sind es wieder mehr als 500. Damit sei die Art aber noch nicht am rettenden Ufer, meint Friedrichs. Ein Großteil der Vögel lebt in Stendal und sorgt gerade in der Brutzeit immer wieder für Aufregung. Dort nisten die Tiere vor allem am Krankenhaus. Für genervte Anwohner und Passanten hat der Ornithologe nur begrenzt Verständnis: „Wir leben doch nicht allein auf dieser Welt und sollten unsere Mitgeschöpfe achten.“ Osterburgs Krähenbaum steht im Herzen der Stadt und nahe einer Arztpraxis. Die Tiere bevorzugen hochgewachsene Platanen, fern möglicher Fressfeinde wie dem Waschbär. Übrigens: Die Saatkrähe ist anders als Raben- und Nebelkrähe eher Vegetarier und gehört wie diese zu den Singvögeln.

Von Marco Hertzfeld

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