Altmärkische Weihnachtstraditionen / Zeitreise durch Uromas „heilige Stube“

Ein Rübenfuß für den Christbaum

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Auf einem Rübenfuß-Ständer ruhte der magere, aber prächtig geschmückte altmärkische Bauernchristbaum. Die kleine Yona Rosenbaum (6) aus Beetzendorf ist begeistert.

Altmark. Sie ist schwer genug, lässt sich gut bearbeiten und ein Loch für den Weihnachtsbaum ist schnell gemacht: Vor über 100 Jahren diente in der westlichen Altmark nicht selten eine halbierte Rübe in der Weihnachtsstube armer Bauern als Ständer für den Christbaum.

Letzterer war natürlich in der Regel eine kleine magere Kiefer, die mit Baumschmuck aus Stroh, Nüssen, Äpfeln, Plätzchen, Rosinenketten oder anderen Naturmaterialien geschmückt war.

Aus dem sogenannten Hansjochenwinkel zwischen Diesdorf und Salzwedel sind besonders viele Weihnachtsbräuche übermittelt, von denen nicht wenige heute noch Bestand haben. In der Weihnachtszeit gingen bereits zum Nikolaustag „Klaasbur“, Buurklas“ oder „Pelzmärte“ um. Im Hansjochenwinkel war es damals üblich, morgens beim Erwachen das christliche Gesangbuch im Dunkel aufzuschlagen und anschließend neben das Bett zu legen. Am Morgen, wenn es draußen hell wurde, konnte dann der Gesangstext gelesen und somit die persönliche Zukunft gedeutet werden.

Auch reichlich Mummenschanz wurde zur großen Erheiterung der Erwachsenen mit den Kindern getrieben: Merkwürdige Gestalten in Flachsbärten und im Pelz gingen von Haus zu Haus. Sie belohnten die artigen Kinder mit Nüssen und Äpfeln. Für die Bösen gab es die Rute. Das harte bäuerliche Arbeitsjahr machte an Weihnachten eine kurze Pause. Im prächtigen Winkelstädter Hallenhaus des Diesdorfer Freilichtmuseums können sich Besucher heute noch ein ziemlich genaues Bild darüber machen, wie es sich die Bewohner in der großen Halle gemeinsam mit dem dort untergebrachten Vieh zum Christfest gemütlich machten.

In der guten Stube von Uroma stand der Weihnachtsbaum mit dem halbierten Rübenfuß. Kalt war es hier auch in der heiligen Nacht. Das wärmende Feuer knisterte nur im Zentrum des Hallenhauses an der Grude. Dort zeigt auch heute noch Museumsmitarbeiterin Anke Gruß den Besuchern, wie die altmärkischen Landleute über den Flammen Gerste rösteten und davon ihren Festtagskaffee kochten. Am heiligen Abend bekamen die Tiere eine Extraportion Heu. [...]

Von Kai Zuber

Lesen Sie die ganze Geschichte in der Weihnachtsausgabe der Altmark-Zeitung.

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