Knallroter Punkt in Seehausen ist Teil des globalen Koordinatensystems zur Vermessung der Welt

Rotpunkt am Wald bleibt fixe Größe

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Die Wischestadt im Norden ist wegen des Verlauf des 12˚-Meridians durch Sachsen-Anhalt ein wichtiger Standort. Neben dem „Geodätischen Festpunkt“ an der Osterburger Chaussee gibt es in der Innenstadt auch eine Referenzstation für Satellitendaten.

Seehausen. Selbst die Figur von Mutter Erde verfällt der Schwerkraft. Ihre Konfektionsgröße zeigt sich an Fixstellen, die den geografischen Längen und Breiten folgen.

Ein Teil des globalen Koordinatensystems für die Vermessung der Welt befindet sich am Rand des Seehäuser Wischewalds direkt an der Osterburger Chaussee. Der „Geodätische Festpunkt“ ist eine knallroter Rundling, der wie ein Alarmknopf wirkt und mittig einen quadratischen Natursteins gepfropft ist. Neben der auffälligen Amtsmessstelle warnt eine rot-weiß gestrichene Bake vor illegalen Angriffen.

Wer nicht mindestens einen Meter Abstand zu der behördlichen Einrichtung hält, verhalte sich ordnungswidrig „im Sinne des Vermessungs- und Geoinformationsgesetzes Sachsen-Anhalt“, droht die Hinweistafel im oberen Drittel des meterhohen Betonpfeilers. Die Ansage weist im Namen des Landesamtes für Vermessung und Geoinformation auch an, dass „Gefährdungen und Veränderungen mitzuteilen“ seien. Solche dauerhaft vermarkten Fixpunkte gibt es in Deutschland seit etwa 200 Jahren.

Seehausen im Norden ist aufgrund des Verlaufs des 12˚-Meridains durch Sachsen-Anhalt ein wichtiger Standort für das weltweite Koordinatensystem.

In der Wischestadt befindet sich deshalb auch eine von landesweit 18 Referenzstationen für den Satelittenpositionierungsdienst „Sapos“. Ohne so gelieferte Digitaldaten wären Navigationssysteme aufgeschmissen und könnten keine Liegenschaftskataster oder topografische Karten aktualisiert werden. Der Geodäsie-Fixpunkt an der Chaussee bleibt aber auch weiterhin analog. Er setzt auf Niveau und Maßstab, fügt sich ins internationale Fixpunkte-Geflecht mit Werten für Höhen und Schweren und ist so Bestandteil der überregionalen Koordinatensysteme Amsterdamer Pegel und Potsdamer Schweresystem. Das alles gibt Futter für amtliche Festpunktinformationssysteme, auf die etwa die Baubranche dringend angewiesen ist. Zuständige Behörden bieten die Koordinatendaten nun kostenpflichtig an.

Von Antje Mahrhold

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