Stadt sucht zusätzliche Gästeführer und schaut auf des Kaisers Tangermünde

Der Roland will die Krone: Stendal buhlt um Touristen

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Roland, Rathaus, Kirche und mehr: Stendal weist ein beachtliches Maß an Sehenswürdigkeiten auf.

Stendal. „Wir haben tolle Leute, die sich richtig reinhängen“, lobt Nicole Laupsien. Auf ihre Stadtführer kann sich die Sachgebietsleiterin für Tourismus verlassen. Ein gutes Dutzend Frauen und Männer lässt sich derzeit einsetzen. Die Zahl könne sich durchaus sehen lassen.

Doch die Rolandstadt will mehr: Mehr Touristen und damit auch mehr Gästeführer. Gut 350 Führungen fanden allein im vergangenen Jahr statt, Tendenz: steigend. Mit Tangermünde, der Kaiser- und altmärkischen Vorzeigestadt in Sachen Fremdenverkehr, will sich Stendal nicht vergleichen lassen. „Noch nicht, wir sind auf einem guten Weg“, gibt sich die 34-Jährige im AZ-Gespräch angriffslustig. Schon jetzt flattern selbst von dort regelmäßig Anfragen nach Rundgängen mit Touristen ins Rathaus.

Einschnitt überwunden: 40 000 Übernachtungen

Die Statistiker haben für 2014 insgesamt 39 280 Übernachtungen in Stendal gezählt. Das ist ein sattes Plus von 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wenngleich das Hochwasser 2013 eine Rolle in der Bilanz spielen dürfte und der Anstieg nach dem Einbruch auch deshalb so spürbar ausgefallen ist. 2015 ist noch nicht abschließend ausgewertet. Für Januar bis September wissen die Statistiker von 30 572 Übernachtungen, 1,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „Das kann sich doch alles sehen lassen“, findet die kommunale Tourismuschefin. Zumal das nur die reinen Übernachtungszahlen seien und etwa die Tagestouristen nicht erfasst sind.

Buga hilft weiter, Backstein zieht an

Von der Bundesgartenschau (Buga) 2015 in der Havelregion habe auch Stendal profitiert. „Wir konnten zahlreiche Gäste begrüßen, die auf den Weg dorthin einen Zwischenstopp eingelegt haben oder einen Abstecher zu uns gemacht haben.“ Stendals Touristen sind vor allem in Niedersachsen und Brandenburg zu Hause, aber auch in Süddeutschland, die danach oftmals weiter zur Ostsee reisen. Dass auch immer mehr Gäste über die Europäische Route der Backsteingotik nach Stendal finden, davon ist Laupsien fest überzeugt. Mit diesem Pfund an historischer Bausubstanz sollte die Stadt in nächster Zeit mehr wuchern.

Kräfte mit Tangermünde und Salzwedel bündeln

Die Rolandstädterin denkt dabei sogar an einen altmärkischen Städteverbund. „Zuerst fallen mir da neben Stendal Tangermünde und Salzwedel ein.“ Auch Seehausen, Werben und Tangerhütte seien reich an Backsteinbauten, wenngleich nicht alles überall zeitlich einer Bauweise der Gotik entspricht. Da Tangermünde keine 15 Kilometer von Stendal entfernt liegt und sich nun ebenfalls im Backsteingotikverein engagieren möchte, setzt die Sachgebietsleiterin für Veranstaltungsmanagement und Tourismus fürs Erste auf eine Kooperation mit der Elbestadt. „Das Potenzial ist da und reicht für beide Städte.“

Kinder-Projekt jederzeit willkommen

Stadtführerkinder wie in Tangermünde gibt es in Stendal schon seit längerer Zeit nicht mehr. „Wenn sich jemand findet, der Zeit und Lust hat, würden wir so ein Projekt liebend gern unterstützen.“ Laupsien weiß von einer Initiative in der Stadt und hofft, dass diese Früchte trägt. Der Nachwuchs könnte auf seine ganz besondere Weise den Gästen Rathaus, Tangermünder und Uenglinger Tor, die Rolandfigur und weitere Sehenswürdigkeiten in der Stadt zeigen. Die Stadt setzt darüber hinaus auf eine stärkere Zusammenarbeit mit den kirchlichen Gemeinden, um die Sakralbauten für Touristen stärker zu öffnen.

Anmeldefreier Rundgang ab April immer samstags

Wer die Gemeinschaft der Stadtführer auf Honorarbasis verstärken will, sei immer willkommen. „Man sollte für Touristen offen und kommunikativ sein, alles andere lässt sich lernen.“ Interessierte wählen: Tel. (03931) 651190. Vielleicht gebe es bei positiver Entwicklung ja irgendwann sogar fest angestellte Stadtführer. Inwieweit sich die anstehende Sanierung des Marktplatzes auf die Touristenzahlen auswirken wird, bleibe abzuwarten. Öffentliche Führungen ohne Voranmeldung werden übrigens wieder ab April angeboten. Treffpunkt ist samstags 14 Uhr am Roland.

Von Marco Hertzfeld

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