Gefährliche Körperverletzung - Leyla C. berichtet von den Übergriffen ihres Ex-Mannes

Prozess in Stendal: „Wäre nur schlimmer geworden“

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Um gefährliche Körperverletzung im häuslichen Bereich geht es momentan am Stendaler Landgericht.

Stendal. „Es gab eigentlich keinen Grund. Wenn er wütend war, hat er mich geschlagen“, gibt die mittlerweile geschiedene Frau des angeklagten Ilhan C. vor Gericht in Stendal an.

Obwohl die Verhandlung aufgrund der psychischen Belastung für die Geschädigte Leyla C. unterbrochen werden musste, konnte sie gegenüber dem Vorsitzenden Richter Ulrich Galler umfassende Angaben zum Tatgeschehen machen.

Ihr damaliger Ehemann sei nachts nach Hause gekommen und habe von ihr Geld haben wollen. Als sie ihm dies verwehrte, sei er wütend geworden und habe mit der flachen Hand zugeschlagen. Auch soll Ilhan C. ihren Kopf mit seinem Fuß auf den Boden gedrückt haben. Die Geschädigte berichtete von einem anderen Zwischenfall, als ihr Ex-Mann erneut wütend nach Hause gekommen sei und ihr mit einem Metalllöffel auf den Kopf geschlagen habe. Auch von Verbennungen mit einem Glätteisen, die er bei seiner jetzigen Ex-Frau verursacht haben soll, war gestern bei der Verhandlung im Landgericht die Rede.

„Entschuldigungen gab es nie. Wenn ich versucht hätte, darüber zu sprechen, wäre es nur noch schlimmer geworden“, berichtete die Ex-Gattin mithilfe eines Dolmetschers. Sie habe seinerzeit Angst vor ihrem Mann gehabt und befürchte auch jetzt noch ab und an Übergriffe, obgleich die letzten Vorfälle schon rund zwei Jahre her sind. Das nunmehr geschiedene Paar habe in der Türkei geheiratet und sei im Anschluss nach Deutschland gekommen. Hier hätten auch die Schläge angefangen.

Warum sie so lange gewartet habe, bis sie die Polizei verständigte, wollte Richter Galler wissen. „In unserem Kulturkreis ist es eben so, dass man solange wartet, bis es nicht mehr anders geht“, gesteht die Geschädigte ein. Neben Schlägen und Tritten habe die Mutter mehrerer Kinder auch immer wieder verbale Beleidigungen ertragen müssen. „Er hat mich als Tochter einer Schlampe bezeichnet“, so die Geschädigte, „er wollte mir nicht glauben, dass ich wirklich die Polizei anrufe.“ Auf die Frage Gallers, ob es in der gemeinsamen Ehe auch schöne Zeiten gegeben habe, antwortet Leyla C.: Nein, eigentlich nicht.“

„Ich habe schon mitbekommen, dass es in der Familie oft Streitigkeiten wegen des Geldes gab“, berichtet eine Freundin der Familie, die als Zeugin geladen war. „Eine der Töchter hat sich mir anvertraut“, so die 18-jährige Kosmetikerin. Der Prozess am Landgericht wird fortgesetzt.

Von Mike Höpfner

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