Suche nach Zeugen zu versuchtem Totschlag

Prozess in Stendal: Verwüstung im Mietshaus

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Der Beklagte mit Verteidigerin Katja Sonne-Albrecht.

Tangerhütte / Stendal. Eine „Spur der Verwüstung“, so sah es aus im Sommer vergangenen Jahres in einer Wohnung in Tangerhütte, nachdem ein Mann dort seine Freundin geschlagen und gewürgt haben soll.

Das war die Aussage eines Polizisten, der als Zeuge gegen einen heute 39-jährigen Tangerhütter ausgesagt hatte. Dem Mann wird versuchter Totschlag vorgeworfen. Beim zweiten Tag der Verhandlung im Landgericht Stendal wurde ein dramatischer Abend geschildert.

Gebrüllt und gewütet habe der Mann in seiner Wohnung, sagte der Zeuge aus. Der Polizist war am Abend, nachdem der Angeklagte seine Freundin misshandelt haben soll (AZ berichtete), gerufen worden. Die Frau war weg, ihre Wohnung ein Trümmerfeld, selbst der Türrahmen kaputt. Die Polizisten wollten bei dem Mann, der in einer Wohnung im selben Haus wohnte, aber nicht klingeln, sie seien „nur zu zweit“ gewesen. Nach Aussage der Geschädigten bei ihm, dem Polizisten, habe der 39-Jährige sie nicht nur gewürgt, bis sie keine Luft mehr bekam, und geschlagen, sondern auch in der Wohnung herumgeschleift, wobei ihr ein Stiftzahn herausgebrochen sein soll.

Allzuviel Verwertbares konnte der Polizist aber nicht beitragen. Ebensowenig wie übrigens die Freundin, die in den Zeugenstand kam: Sie verweigerte die Aussage. Denn mittlerweile hatte derselbe Mann, der da in der Anklagebank saß, ihr einen Heiratsantrag gemacht – sie ist verlobt. Er kam im Frühjahr mit Ring und Blumen und fragte sie, ob sie seine Frau würde werden wolle. Der Richter Ulrich Galler, sichtlich perplex, fragte da nochmal nach: Ob sie sich freue und an die Hochzeit wirklich glaube? Ja, so die 28-Jährige vergnügt. Und damit zog sie aus dem Saal. Auch eine Nachbarin konnte wenig zum Tatgeschehen beitragen. Der Mann sei stark angetrunken gewesen, und er habe viel geweint. Sie habe ihn beruhigt. Zur Tat selbst: keine Informationen.

So gingen dem Landgericht die Zeugen zum Fall selbst aus. Der Beschuldigte sagt nicht aus, die Geschädigte auch nicht, der Polizist hatte nicht geklingelt, und die Nachbarin nichts gesehen. Nun will das Landgericht sich weiter auf die Suche nach Zeugen machen. Der Fall geht weiter.

Von Kai Hasse

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