Zeugen äußern sich zu entstandenen Schäden

Prozess um Nazi-Parolen: „Ich war entsetzt“

mih Stendal. Für den gestrigen Verhandlungstermin gegen einen mittlerweile 24-Jährigen, der im Oktober 2013 rechtsradikale Schriftzüge und Symbole gesprüht haben soll, hatte der Vorsitzende Richter Gundolf Rüge mehr als ein Dutzend Zeugen geladen.

Der Großteil davon waren Ladeninhaber und Hauseigentümer, deren Besitz von den Schmierereien an etwa 45 Stellen in Salzwedel Schaden genommen hatte.

„Mich macht jede Kritzelei betroffen“, sagte etwa ein 66-jähriger Hotelverwalter, „wir versuchen, unsere Stadt schön zu halten. Aber manche Menschen haben offenbar andere Vorstellungen von Schönheit.“ Ein Eimer Farbe zum Überstreichen der rechten Parolen habe schon bereitgestanden. Die Immobilie einer 76-jährigen Dame ist bereits mehrfach Opfer von Vandalismus geworden. „Ich war entsetzt, dass es mich schon wieder getroffen hat. Die Farbe vom vorigen Anstrich war gerade erst getrocknet“, gab die Zeugin gegenüber Rüge an. Es sei jedoch das erste Mal gewesen, dass die Schmierereien politischen Inhalt gehabt hätten. „Da musste der ganze Putz abgeklopft werden. Das sind locker 3000 Euro Kosten für Material und Arbeitslohn“, ärgerte sich ein 77-jähriger Salzwedeler. Die Farbe, die vermutlich mit Sprühdosen aufgetragen wurde, ließ sich nicht anders von der Hauswand entfernen.

Dass nahezu alle Geschädigte in dem Berufungsprozess aussagen müssen, begründet Gundolf Rüge damit, dass „die Schriften nicht nur vorübergehend da sein dürfen“. Daher müsse in Erfahrung gebracht werden, wie gut sich die Schriftzüge und Symbole entfernen ließen. Zum Tatgeschehen konnten die genannten Zeugen keine Angaben machen. Zu Beginn der Verhandlung waren auch der Bruder, der Vater und der Großvater des Angeklagten geladen, alle verweigerten die Aussage. Der Prozess wird fortgesetzt.

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