BDM-Milchbauern werben bei Bundestagsmitglied um Hilfe aus der Preiskrise

Politik im Kuhstall: „Wir fordern vernünftige Preise“

+
Es tropft noch leicht nach, als Katrin Kunert das automatisch vom Euter fallende Melkgeschirr beiseite geschoben hat. Melker Uwe Fechtner macht die Linkssozialistin nur vorübergehend „arbeitslos“.

Schwarzholz. „Wir brauchen ein Marktkrisen-Instrument“, plädiert Milchbauer Peter Schuchmann für die Existenz einer Milchmengen-Überwachungsstelle in Brüssel. Nach dem Ampel-Prinzip könne diese aufgrund der Lieferdaten aus Molkereien Milchbauern klare Ansagen machen.

„Das macht aber nur europaweit Sinn“, erklärt der Wahl-Altmärker. Die Preiskrise wurde nach Ansicht des Sachsen-Anhalt-Vorsitzenden im Bundesverband Deutscher Milchviehviehhalter (BDM) durch das Ende der Milchquote ausgelöst. So wisse kein Bauer mehr, wie viel er produzieren soll, will Schuchmann das Milch-Monotoring am liebsten sofort.

Der Hof trägt viele Auszeichnungen.

Der gebürtige Hesse stellt seinen Schwarzholzer Betrieb, der sieben Mitarbeiter beschäftigt, gerade auf Ökowirtschaft um. Ab Oktober will er Bio-Milch liefern. 220 Milchkühe zählen zum Hof und 330 Hektar Boden an der Grenze zur Wische, wo momentan Weizen gedeiht, der erst frisch gestriegelt wurde, wie die Ökomethode gegen Unkraut heißt. Sie erfolge rein mechanisch, schildert Schuchow den Besuchern um Bundestagsmitglied Katrin Kunert (Linke).

„Bauern sprechen nicht mit einer Stimme“, verweist Stendals Spitzenpolitikerin auf oftmals vollkommen gegensätzliche Positionen einzelner Landwirteverbände. „Wir fordern kein Geld, brauchen aber vernünftige Preise“, redet Schuchmanns Kollege aus Schinne auf Kunert ein. Frank Lenz eröffnete seinen Milchbetrieb vor einem Jahr, hat zwölf Mitarbeiter und sei trotz Preiskrise „psychisch und physisch noch unversehrt“. Wer Fehler mache, sei weg vom Fenster, berichtet der Schinner und auch von leidigen Kommentaren, die ihm rieten, „seine Bude doch dicht zu machen“. Aber Lenz will nicht ans Aufgeben denken, denn die Altmark sei schließlich ein ideales Gebiet für Wiederkäuer. „Die Region muss aber auch attraktiv sein für die Menschen, die hier arbeiten“, verweist er auf junge Leute, die in ihre Heimat zurückkehrten, „weil sie zu ihren Wurzeln“ wollten. BDM-Mitglied Lenz: „Wir fordern Regeln, wie es sie auch für Handwerker gibt.“

„Tierisches Eiweiß ist Luxus“, stellt Milchbauer Schuchmann fest. Und während er die Stendalerin in die Melkgrube führt, wo Kunert gleich Melker Uwe Fechtner vorübergehend „arbeitslos“ macht, bekommt der Schwarzholzer noch das Gegenargument zu hören, dass in Deutschland auch „viel zu viele Autos produziert werden“, wie die Linkssozialistin erklärt. „Doch Milch ist ein Grundnahrungsmittel“, stellt sie klar. Und greift beherzt ans Euter. „Das habe ich ja schließlich auch mal gelernt.“

Von Antje Mahrhold

Kommentare