Stendaler Buchhändler stehen im Konkurrenzkampf mit großen Ketten und dem Internet

„Das Persönliche macht viel aus“

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Traditionelle Buchhandlungen bekommen immer mehr Konkurrenz seitens des Internets und großer Ketten. Die Buchhändler der Rolandstadt haben diese Tendenz zwar im Blick, setzen aber auf den persönlichen Faktor beim Buchkauf.

Stendal. Das Geschäftsleben der Buchhändler in der Breiten Straße könnte demnächst schwieriger werden. Der Online-Versandhändler „amazon“ soll planen, in den USA bis zu 400 eigene Filialen zu eröffnen. Die erste öffnete bereits im November vergangenen Jahres.

Es ist möglich, dass dies auch für Deutschland bereits in der Planung ist. „Man hat immer Angst vor der Konkurrenz“, sagt etwa Susanne Malzahn, Inhaberin der Buchhandlung Genz. Für die Einzelhändler in der Rolandstadt wäre das eine weitere Form der Konkurrenz, neben dem bereits bestehenden Versandhandel im Internet und großen Ketten.

„In den Köpfen unserer Kunden ist es immer noch verankert, die Händler vor Ort zu unterstützen“, sagt Annette Mäcker im AZ-Gespräch. Mäcker betreibt die Winckelmann-Buchhandlung an der südlichen Breiten Straße. Besonders vom älteren Teil ihrer Kundschaft höre sie immer wieder, dass die persönliche Atmosphäre in der Buchhandlung geschätzt werde. Ob ihr künftig vielleicht eine „amazon“-Filiale das Geschäft erschwert, ist für Annette Mäcker derzeit noch nicht relevant. „Ich habe das schon mitbekommen mit den Filialen. Aber noch weiß ich nicht, ob es in Deutschland einmal dazu kommen wird“, so Mäcker. Auch Susanne Malzahn sieht der möglichen Entwicklung eher gelassen entgegen. „Wir müssen erstmal abwarten. Als kleiner Handel kann man da sowieso nicht viel gegen machen“, so die Händlerin. Dennoch bemerkt sie im Gespräch mit der Kundschaft immer häufiger den Trend, dass Kunden Bücher über die Webseite der Buchhandlung bestellen. „Im Internet haben die Menschen eben den Nachteil, dass sie nicht stöbern und sich nicht beraten lassen können“, wirbt auch Annette Mäcker für den Einzelhandel. Für Susanne Malzahn steht fest: „Das Persönliche macht sehr viel aus.“

Doch nicht nur das Internet, auch große Ketten bereiten den Händlerinnen Sorgen. „Wenn in jeder Stadt irgendwann nur noch die gleichen Ketten sind, geht sehr viel Individualität verloren“, so die Chefin der Winckelmann-Buchhandlung. „Es gibt doch schon genug Ketten“, findet Susanne Malzahn, „darunter leidet der ganze Einzelhandel, nicht nur die Buchhändler.“ Ketten würden zudem vergriffene Bücher ein- und sie dann zu günstigeren Preisen weiterverkaufen. Beide Händlerinnen zeigen sich diesbezüglich erfreut über die Buchpreisbindung in Deutschland. Diese besagt, dass alle Verlage oder Buchimporteure für ihre Bücher einen bestimmten Preis festlegen sollen, der dann für alle Letztverkäufer wie Buchhandlungen verbindlich ist. Daher hätten auch Kunden keine Ersparnis, wenn sie Bücher im Internet bestellen.

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