Langfinger lassen aus Frauenarztpraxis Computer mitgehen / Mediziner wollen beruhigen: Keine wirklich sensiblen Angaben

Patientinnen sorgen sich um ihre intimsten Daten

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Begehrte Technik derart sichern kann nicht jeder.

Stendal. Langfinger haben aus einer frauenärztlichen Gemeinschaftspraxis in Stendal mit zwei Laptops auch Daten von Patientinnen mitgehen lassen.

„Das ist schon ein recht bedrohliches und einfach unangenehmes Gefühl, schließlich weiß man ja nicht, was der Dieb mit den intimen Daten so vorhat“, sagt eine junge Frau, die unerkannt bleiben möchte (Name d. Red. bekannt). Der Einbruch hat sich bereits vor etwa zwei Wochen ereignet. Der oder die Täter müssen irgendwann zwischen dem 12. und 15. Februar den Weg in die Praxisräume an der Breiten Straße gefunden haben.

Die Frauenärzte bemühen sich derweil um Schadensbegrenzung. „Es sind keine wirklich sensiblen persönlichen Daten verschwunden“, will Judith Blume, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Patientinnen beruhigen. Es handele sich schlichtweg um Aufnahmedaten, die für die Abrechnung, die Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung wichtig seien. „Betroffen sind zudem allein jene Frauen, die ab Jahresbeginn einen Termin in der Praxis hatten.“ Diese Patientinnen müssten ihre Chipkarte noch einmal vorlegen und neu einlesen lassen.

„Es ist alles sehr ärgerlich und bedeute eine Menge zusätzlicher Arbeit für uns“, sagt Blume der AZ. Die Frauenärztin vermutet, dass es die Langfinger allein auf die Computertechnik abgesehen hatten, um diese zu Geld zu machen. Judith und Thomas Blume haben Anzeige bei der Polizei erstattet. Geplündert wurde zudem die Kaffeekasse der Gemeinschaftspraxis. Wie viele Patientendaten berührt sind, dazu hält sich die Medizinerin bedeckt. „Noch einmal und um möglichen wilden Spekulationen vorzugreifen: Sensible medizinische Befunde oder Ähnliches sind nicht im Umlauf.“

Im selben Zeitraum ist auch bei der Krankenkasse DAK an der Breiten Straße in Stendal eingebrochen worden. Die Spurensicherung war an beiden Tatorten. „Es gibt Indizien, dass es sich in beiden Fällen um denselben oder dieselben Täter handelt“, so Polizeisprecher Marco Neiß auf Nachfrage der AZ. Vermisst werde in der DAK-Filiale ein Schlüssel, mit dem Außenstehende allerdings nicht viel anfangen können dürften. Computertechnik oder vergleichbare Dinge seien dort nicht entwendet worden. Die Stendaler Kriminalpolizei ermittelt weiter.

Von Marco Hertzfeld

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