Star-Dirigent kehrt für einen Auftritt an seine frühere Schaffensstätte zurück

„Nobelpreisträger“ startet Musikkarriere in Stendal

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Peter Gülke hat seine beeindruckende Karriere vor genau 50 Jahren in der größten Stadt der Altmark begonnen. Der 83-Jährige lebt in Weimar. Und ist Chefdirigent in Brandenburg. 

Stendal. Erstes Sinfoniekonzert der Saison: Der Dirigent betritt das Pult, ein prüfender Blick über seine Musiker erheischt aufmerksame Konzentration für den Beginn. Dann signalisiert die stabführende rechte Hand den Start.

Sie gibt – fast unerbittlich – Takt und Tempofolge für den Verlauf vor.

Die linke setzt die Akzente des musikalischen Ausdrucks. Folgt man ihrer Gestik, kann man das Entstehen musikalischer Frasierungen und Melodiebögen miterleben. Hier ein Fingerzeig über einen Einsatz, dort eine einladende Handbewegung über die Streicher hinweg, dann wieder beide mit beiden kräftig Forte mahnend, um anschließend mit beschwichtigender Handbewegung die Fortsetzung einzuleiten.

Mit Leonard Bernstein in einer Reihe

Und der Leiter dieses Stendaler Konzertabends ist kein Geringerer als der Chef der Brandenburger Symphoniker: Peter Gülke. Sein Weg führte vor genau 50 Jahren aus seinem ersten musikalischen Oberleiter-Engagement am Theater der Altmark zu hoher musikalischer Anerkennung. Nach Studium in Weimar und Jena (Cello, Musikwissenschaften, Germanistik und Romanistik), Promotion zum Dr. phil. 1958 und Dr. phil. habil. 1985. Über Stendal führt ihn sein Weg nach Potsdam, Stralsund und Dresden zur Staatskapelle Weimar. Generalmusikdirektor als Titel gehört dazu.

In Wuppertal schließlich leitet Gölke von 1986 bis 1996 das dortige Orchester, um anschließend als Professor für die Dirigentenklasse an der Hochschule für Musik in Freiburg tätig zu werden. Wissenschaftlich schreibt er mehrere Bücher über deutsche Komponisten mit bahnbrechenden Erkenntnissen. Seit 2011 ist er der Präsident der sächsischen Akademie der Künste – und Mitglied der deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Neben anderen Ehrungen erhielt er 2014 den Ernst von Siemens Musikpreis für seine Dirigententätigkeit, quasi als „Nobelpreis für Musik“ in einer Reihe zum Beispiel mit Leonard Bernstein und Benjamin Britten stehend.

Den Kreis zu Stendal schließend, stand Gülke jetzt im TdA als Chef der Brandenburger Symphoniker am Pult. Im AZ-Gespräch erinnert er sich gern zurück an sein „leistungsfähiges Theaterorchester“, mit dem er seinerzeit zugkräftige Operninszenierungen musikalisch geleitet hatte und im Konzertsaal Freunde gewann – so wie er heute als Chef vom Pult und vielfach anerkannter Musiker wieder Konzertbesucher zu herzlichem Beifall für sein Können hinreißt. Das nächste Sinfoniekonzert der Brandenburger in der neuen Spielzeit im TdA beginnt am Mittwoch, 30. November, um 19.30 Uhr. Am Pult steht dann nicht Gülke, sondern Dirigent Olivier Tardy. Alexander Schimpf spielt das Klavier, auf dem Spielplan stehen Emmanuel Chabrier, Claude Debussy, Francis Poulenc und Maurice Ravel. Karten, Tel. (03931) 635 777 und 63 56.

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