Mehr als halbes Dutzend Stadtrunden pro Jahr gewollt

Wer nimmt Zügel in die Hand? Verein sucht Betreiber für Stendaler Pferdebahn

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Es ist viel passiert seit der Jungfernfahrt. Die liebevoll gestalteten Fahrkarten für die Pferdebahn, in der 14 Personen sitzend befördert werden können, bleiben. Neu sind die Getränke, die der Verein verkaufen möchte.

Stendal. Wer soll es machen? Diese Frage steht aktuell im Raum. Viel Zeit, Geld und Liebe zum Detail haben die insgesamt 17 Mitglieder des Vereins „10. Magdeburgisches Husaren-Regiment i. Tr.

Stendal“ investiert, um die Pferdebahn, die einst zwischen 1892 und 1926 in der Hansestadt verkehrte, wiederzubeleben. Zehn Jahre vergingen bis zur Jungfernfahrt im Frühjahr diesen Jahres. Sechs, acht, vielleicht auch zehn Fahrten pro Jahr – zu Klassentreffen und anderen gebuchten Ausflügen – könnten die Regimentsmitglieder leisten. Mehr gehe nicht, macht Rittmeister Peter Krupp gegenüber der AZ deutlich. Stillstand ist nicht das Ziel. Aus diesem Grund sucht der Verein einen Betreiber, der regelmäßig das Gefährt mit seinen zwei kaltblütigen Pferdestärken auf Touren bringt. Gute Erfahrungen hätte man in Döbeln gesammelt. In dem sächsischen, an der A14 gelegenen Ort wurde ein Verein gegründet, welcher „Traditionsverein Döbelner Pferdebahn“ heißt. Die Mitglieder betreiben das Fahrgeschäft. Könnte diese Idee mit der Gründung eines Vereins auch in der Altmark fruchten?

Die Husaren würden in diesem Fall Eigentümer bleiben, selbst Mitglied des Vereins sein. Sollte sich die Bahn allerdings zum Verlustgeschäft entwickeln, würden sie den Wagen verkaufen, vielleicht nach Döbeln. Das will jedoch niemand forcieren. Im Optimalfall soll der hansestädtische Wagen auf seinen Vollgummireifen noch einige Touren in Stendal fahren. Und dazu auch noch an einem historischen Ort untergebracht werden, beziehungsweise unter diesem. Der Bogen des Tangermünder Tores soll während der Saison als Unterstand dienen, mit einem Gitter auf der einen und einem gusseisernen Tor auf der anderen Seite versehen. Momentan steht das Gefährt in einem Hangar auf dem Flugplatz Borstel. „Allein die Fahrt zum Markt dauert eine Stunde und der Rückweg eine weitere“, gibt Krupp zu bedenken. Der Start ab Schadewachten wäre ideal. Zumal Führungen des Altmärkischen Museums die wenigen Meter zur Pferdebahn zu Besichtigungszwecken nutzen könnten – wenn diese gerade nicht auf Tour oder im Winterquartier ist.

Und damit nicht genug: Im Tangermünder Tor soll es eine Ausstellung geben, die die Geschichte der Pferdebahn und jene der Stendaler Husaren erzählt. „Wolfgang List bereitet diese gerade vor.“ Auch dies wäre für Einheimische und Touristen ein weiterer Grund, sich auf den Weg zu machen.

Noch einmal zurück zur Pferdebahn. 14 Personen können sitzend befördert werden. Zunächst waren es zwölf. „Es wollte kaum jemand stehen, so haben wir noch eine Bank eingebaut“, informierte Krupp. Für 350 Euro lässt sich die Bahn buchen. 15 Euro kostet der Normalpreis pro Person während jeder vom Verein angebotenen Fahrt. Da man bei voller Besetzung lediglich die Kosten decken könne, hat sich der Verein etwas ausgedacht.

„Um Geld einzuspielen“, bieten die Husaren nun den „Kutscherschluck“ (Korn), das „Brems Oel“ (Kräuter) und den Kutschertrunk (Bier) an. Der Korn und der Kräuter sind übrigens auch in der Tourist-Information im Stendaler Rathaus erhältlich.

Von Alexander Postolache

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