Von Woche zu Woche

Die Neuwahl ist auch eine Quittung

Meckern kann jeder. Über die Stadt, die Verwaltung, die Politik. Fragt man aber die notorischen Meckerer, ob sie es besser machen und Verantwortung übernehmen wollen, winken sie meist mit markigen Sprüchen ab.

„Um Gottes Willen – ich im Stadtrat?“, „Da gibt´s doch eh nur Klüngelei“ und solche Sätze sind dann zu hören. Wenn am 21. Juni in Stendal der Stadtrat neu gewählt wird, mag mancher in Anspielung auf die Wahlwiederholung wegen diverser Manipulationen sagen: Bei der ganzen Misere tue ich mir das nicht nochmal an. Möglich, dass die Wahlbeteiligung unter dem Wahlbetrug der letzten Kommunalwahl leidet. Vielleicht aber auch nicht. Zumindest zeichnet sich bei der Aufstellung der Kandidaten ein entgegengesetzter Trend ab. Die Frist, binnen derer sich Kandidaten bewerben können, läuft am 27. April ab. In dieser Woche haben etliche Parteien ihre Bewerber benannt, neben CDU, Linken, SPD, FDP, Grünen und Piraten schickt auch die AfD zwei Bewerber ins Rennen. Und auch zwei Einzelbewerber haben ihre Kandidatur bereits bekannt gegeben. So ist schon jetzt davon auszugehen, dass am 21. Juni mehr als 104 Kandidaten wie am 25. Mai 2014 zur Wahl stehen. Die Parteien hat das Stendaler Wahldilemma also offenbar nicht abgeschreckt. Für die ca. 34 000 Wahlberechtigten ist das eine gute Sache, sie haben mehr Auswahl. Wenn die Wahlberechtigten aber nun resignieren und nicht wählen gehen, wäre das ein falsches Signal an all jene, die sich haben aufstellen lassen. Immerhin ist Stadtrat sein ein Ehrenamt, für das die Kommunalpolitiker nur eine kleine Aufwandsentschädigung bekommen. Man darf also dem Großteil unterstellen, wirklich etwas für Stendal bewegen zu wollen. Nun sollten die Rolandstädter ihren Bewerbern auch zeigen, dass sie eine vernünftige Politik wollen, dass es ihnen nicht egal ist, was in ihrer Stadt passiert. Mit der Neuwahl des Stadtrates bekommt insbesondere eine Partei auch eine Quittung: Am Ergebnis wird sich ablesen lassen, ob die Stendaler den Wahl-Fauxpas tolerieren oder der CDU übel nehmen, dass der Wahlbetrug offensichtlich auf das Konto von mindestens einer Person aus ihren Reihen geht, von der sich die Christdemokraten öffentlich distanziert und sie aus ihren Reihen ausgeschlossen haben.

Von Ulrike Meineke

Rubriklistenbild: © Agenturen

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