Bau-Ausschuss erörtert Arneburg-Goldbecks Windplan / Kritik bis 9. Mai möglich

Nach Windkraft-Machtwort nehmen Kritiker Fahrt auf

+
Kräftig pusten: Das Für und Wider von Windrädern spaltet Gemeinden. Die einen wollen Natur, die anderen investieren.

Arneburg-Goldbeck. Aktuell insgesamt 112 Windräder in vier Windfarmen und drei Kleinstandorten drehen sich in der Verbandsgemeinde. Windstrom geerntet wird auf 2,9 Prozent des Gebietes – noch.

Denn der seit drei Wochen in den Verwaltungsämtern in Goldbeck und Arneburg zur Ansicht ausliegende neue „Teilflächennutzungsplan Wind“ soll den Weg bereiten für kräftigen „Spargelzuwachs“: Windkraft soll künftig auf dann 981 Hektar Fläche des 30410 Hektar-Gebiets produziert werden. (3,2 Prozent). Das größte Aufrüsten ist in der Windfarm Baben/Bertkow/Hohenberg-Krusemark mit einem Zuwachs von derzeit 284 auf dann 527 Hektar geplant. 82 Anlagen stehen dort jetzt.

Geht es nach der Außenstelle Salzwedel des Amts für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF), steht speziell diese fürs Repowering vorgesehene Windfarm in der Kritik. Die Behörde jedenfalls erklärt „aus landwirtschaftlicher Sicht Bedenken“, da es sich auf dem Areal bei Baben/Bertkow/Hohenberg-Krusemark „um überdurchschnittlich gute Böden“ handele, die für den Anbau „ökonomisch vorzüglicher Fruchtarten wie Weizen und Zuckerrüben“ geeignet seien. Einen ähnlichen Wert attestiert die Behörde dem Boden, auf dem die Windfarm Arneburg/Sanne (16 Anlagen) von derzeit 150 auf dann 255 Hektar erweitert werden soll. Es handele sich wie in Baben um eine „erhebliche Erweiterung“ und es würden Ackerflächen mit mittler Ertragsfähigkeit (Ackerzahl 40 bis 50) genutzt.

Auch der Neuausweisung bei Iden/Busch auf 119 Hektar, die der Teilplan nach dem Machtwort von Verbandsgemeinde-Bürgermeister Eike Trumpf im Februar zunächst außen vor lässt (AZ berichtete), bescheinigt das Amt Widerspruch. Die Flächen dort hätten eine „sehr gute Ertragsfähigkeit“ (Ackerzahl 50 bis 60).

Fernab von Schall, Schattenwurf und optischer Bedrängungswirkung, die von vielen Anwohnern kritisiert werden, beeinträchtigen Windräder auch die Natur. Und gefährden zum Beispiel den Rotmilan, wie dies Fachleute bei Baben/Bertkow und Arneburg/Sanne vermuten. An letzterem Standort sei auch die Wiesenweihe bedroht und das Landschaftsbild „stark beeinträchtigt“. Den Abstand von 1000 Metern unterschreite die Farm Baben/Bertkow, weil die Ortepuffer zu Groß Ellingen, Baben, Villa Baben, Goldbeck und Bertkow nicht gewährleistet seien. Auch die Windfarm Landesstraße 16 Hindenburg/Bertkow liege teilweise innerhalb der Sicherheitsabstands zur Gemeinde Hindenburg. „Emissionen der Windfarm können hier bereits als störend empfunden werden“, verweisen die Fachleute auf Schattenwurf. Und rechnen künftig mit noch mehr Störung, weil die Windräder „noch nicht Bauhöhen aktuell marktüblicher Anlagen“ hätten.

Harte Tabukriterien, die den Bau von Windrädern verbieten, gelten bereits für diverse Zonen: in geschützten Parks (Gutspark Iden, Burgberg Arneburg), auf Flächendenkmalen (Jungfernberge, Vogelschutzgehölz Rindtorf, Großer und kleiner Hagen Eichstedt, Glänemecker- Vogelschutzgehölz bei Wischer, Kieferngruppe Wischer, Kiesgrube Sanne, Sandgrube Arnim, Erosionsrinne Kassiergraben Arneburg, Kräuterwiese Arneburg) sowie in den Land- und Naturschutzgebieten Aland-Elbe-Niederung, Arneburger Hang, Alte Elbe, Elbaue Jerichow und Altmärkische Wische. Das gilt auch für das Biosphärenreservat „Mittelelbe“, das Europäische Vogelschutzgebiet Elbaue und für sechs FFH-Gebiete. Am Dienstag, 10. Mai, 19 Uhr, erörtert der Verbandsgemeinde-Bau-Ausschuss im Rathaus in Arneburg den aktuellen Stand zum Plan.

Von Antje Mahrhold

Kommentare