Traditionsreicher „Bierkeller“ bleibt trocken / Ambitioniertem Projekt geht die Luft aus – Verkauf

„Müssen großen Traum begraben“

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Wer es nicht weiß, der wundert sich über den betagten Bagger, der schon eine halbe Ewigkeit arbeitslos auf dem sanften Hügel an der Osterburger Straße steht. Auch ein graues Häuschen, ein Verkaufsstand, steht seit Längerem ziemlich ungenutzt auf privatem Grund. Die Tür zum Kellergewölbe öffnet sich laut Besitzer eher selten und dann auch allenfalls für private Partys – leider.

Stendal. Eine Renaissance des traditionsreichen „Bierkellers“ wird es nicht geben, so sieht es zumindest derzeit aus.

Frank Mohrmann, einer der zwei Besitzer, glaubt nicht mehr wirklich daran, die unterirdischen Reste der einst florierenden Gaststätte an der Osterburger Straße in Stendal im großen Stil neu beleben zu können. „Die Hürden sind einfach zu groß. Wir haben viel Arbeit und auch Geld in den Komplex gesteckt. Doch irgendwann geht jedem die Kraft aus“, erklärt der 44-Jährige. Teile des Grundstückes seien bereits veräußert, und auch das mächtige Gemäuer, in dem einst eine Brauerei ihr Bier reifen ließ, soll über kurz oder lang den Besitzer wechseln.

Hölzerne HO-Gaststätte

in Flammen aufgegangen

Äußerlich ist von dem Komplex kaum etwas zu sehen. Mohrmann und Partner haben tonnenweise Erde und Sand aufschütten lassen. Stände auf dem sanften Hügel nicht seit gefühlter Ewigkeit ein Baufahrzeug, das bei näherer Betrachtung zudem ziemlich betagt erscheint, würde er wahrscheinlich keinem groß auffallen, Gras wächst kniehoch, alte Bäume spenden Schatten. Die einstige HO-Gaststätte „Bierkeller“ war bei den Stendalern in den 1960er-Jahren und auch danach recht beliebt. Zwei Brände kurz nach der politischen Wende ließen allein den Eiskeller übrig. Frank Mohrmann und Roberto Peterling sahen Potenzial und erwarben das Gewölbe von der Stadt.

Stadt betont: Gelände

in privater Hand

Die Kommune kann zu der Entwicklung des Geländes nahe der Kindertagesstätte „Mischka“ nicht viel sagen. Sprecher Klaus Ortmann : „Das Gelände ist in privater Hand. Der Eigentümer hat die Absicht, den Keller zu sanieren und mit Gastronomie und einer Diskothek zu betreiben. Der Stand dieses Projektes ist nicht bekannt.“ Im Stadtarchiv lasse sich einiges über die bewegte Geschichte der beliebten Gaststätte „Bierkeller“ am Rande der Stadt finden. Der Holzbau avancierte in seinen Glanzzeiten zum Fotomotiv und schaffte es auf Postkarten.

Eigentümer: Kommune

nicht sonderlich hilfreich

Ganz umsonst seien die Anstrengungen seit 2001 nicht gewesen. Ein paar Mal im Jahr finden in dem gut 600 Quadratmeter großen Gewölbe Privatpartys statt, immerhin. „Doch den großen Traum müssen wir wohl begraben.“ Ein Magdeburger habe sich bereits für den ungewöhnlichen Veranstaltungsort interessiert, sei aber dann wieder abgesprungen. „In größeren Städten wäre das Gewölbe der Renner. Doch wir müssen ehrlich mit uns und anderen sein: Stendal ist Stendal, es ist alles eine Nummer kleiner, die Zahl der Menschen und das Geld, das ausgegeben werden kann.“ Zudem habe die Stadt das Projekt nicht gerade wohlwollend unterstützt, meint Mohrmann, ohne ins Detail gehen zu wollen. „Man muss auch loslassen können.“

Von Marco Hertzfeld

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