Früherer altmärkischer SPD-Bundestagsabgeordneter leitet Landesenergieagentur in Magdeburg

Mühlstein: Vom Bundestag zu Lena

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Das Foto vom Zellstoffwerk Arneburg in seinem Büro erinnert Marko Mühlstein an seinen, wie er sagt, größten politischen Erfolg. Die Großfabrik wurde 2004 von Kanzler Schröder eröffnet.

Magdeburg/Altmark. Ein kleines Büro am Ende des Flures in einem Magdeburger Plattenbau. Blick zum Hof. Repräsentativ geht anders. Marko Mühlstein macht dennoch keinen unglücklichen Eindruck.

Seit Sommer 2013 leitet er die Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt, kurz Lena genannt. Und ist seitdem Chef eines achtköpfigen Teams.

Damals lebte er noch in der Altmark, war hier als SPD-Politiker und Bundestagsabgeordneter bekannt wie ein bunter Hund. Der Liebe wegen zog er 2014 in den tiefen Süden des Landes, nach Sangerhausen. In den hohen Norden gekommen war der gebürtige Aschersleber 16 Jahre zuvor. Nach Studium und Zivildienst stand für den frischgebackenen Umweltschutztechnologen die Frage: Leipzig oder Stendal? Dass er Verwandtschaft in der Region hat, erleichterte die Wahl. „Und der Job war sehr interessant“, sagt der 42-Jährige. Bereut habe er die Entscheidung, beim damaligen Landesstraßenbauamt anzufangen, nie.

„Ich habe die Altmark schätzen und lieben gelernt“, schwärmt Mühlstein. Er ist der Region noch immer verbunden und hat beruflich damit zu tun. Die Altmark mit ihrem Potenzial, Strom aus Biomasse, Wind- und Sonnenkraft zu erzeugen, ist eine von vier energetischen Modellregionen des Landes. Das „Bioenergiedorf Tangeln“ sei schon jetzt weitgehend unabhängig von fossiler Energie. Mit Stolz verweist Mühlstein auf das größte Biomassekraftwerk Europas, das zum Zellstoffwerk Arneburg gehört. Als Bundestagsabgeordneter habe er vor zehn Jahren entscheidend daran mitgewirkt, die gesetzlichen Weichen für den Erfolg zu stellen.

Apropos Bundestag: Vier Jahre lang gehörte der Sozialdemokrat dem Parlament an. Triumphal eroberte er 2005 das altmärkische Direktmandat. Äußerst knapp scheiterte 2009 sein Wiedereinzug. „Nur 1,2 Prozentpunkte haben landesweit gefehlt …“ Man merkt: Er hätte gern weitergemacht. Stattdessen, nach beruflichen Abstecher zur Landesvertretung in Berlin und Tätigkeit im Landes-Finanzministerium, nun der Geschäftsführerposten in Magdeburg. Er habe sich in der Ausschreibung als der Beste durchgesetzt, betont Mühlstein. Dass die Lena ursprünglich dem SPD-geführten Finanzministerium zugeordnet war, weckte dennoch bei der politischen Konkurrenz Argwohn. Es wurden auch mehrfach Forderungen nach Abschaffung der Landesenergieagentur laut.

Selbstverständlich betont deren Geschäftsführer die Bedeutung seiner Einrichtung. Die Lena sei ein Dienstleister für die Wirtschaft, den öffentlichen Sektor und die privaten Verbraucher. „Die Aufgaben der Agentur liegen in der Beratung, Information, Motivation, Kommunikation, Weiterbildung und Netzwerkarbeit auf allen Gebieten der Energieerzeugung, -versorgung und -verwendung“, heißt es dazu im Webauftritt. Als Beispiel für die handfeste Bedeutung des Themas Energiesparen für den Bürger nennt Mühlstein die Aktion: „Schmeiß die Alte raus“. Ein versteckter Energiefresser in vielen Häusern seien die Heizungspumpen. Ein Wechsel bringe oft enorme Einspareffekte, weiß er. Der Spruch ist aber keine Lena-Erfindung. Auch in anderen Bundesländern wird mit dem doppeldeutigen Slogan für Kesseltausch geworben.

Von Christian Wohlt

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