Motorradclub „Altmark Defenders“ muss wegen geplanter ZASt sein Vereinsheim räumen

Motorradclub „Altmark Defenders“: „Wir sind jetzt auch Flüchtlinge“

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Die möglichen Veranstaltungen der „Altmark Defenders“ in ihrem jetzigen Clubhaus an der Gardelegener Straße sind gezählt. Im März nächsten Jahres müssen sie raus und für die dort geplante Flüchtlings-Aufnahmestelle Platz schaffen.

Stendal. Es geht ihnen um das Motorradfahren und um das Zusammengehörigkeitsgefühl. Ihren Club gibt es bereits seit 1992.

Ein umfunktioniertes Umkleidegebäude auf dem Areal der ehemaligen Grenztruppenkaserne an der Gardelegener Straße dient den 18 Mitgliedern des Motorradclubs „Altmark Defenders“ seit 2011 als Clubhaus. Doch der Club muss sich nun ein neues Domizil suchen. Der Grund: Ab dem kommenden Sommer soll auf dem Gelände, welches dem Land gehört, eine Zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge entstehen. Bis zum 1. März 2016 müssen die Motorradfreunde aus ihrem Clubhaus raus sein.

„Wir haben das aus der Zeitung erfahren und sind natürlich alle sehr traurig“, berichtet Club-Präsident Ringo Illy im AZ-Gespräch. Er habe erst auf Nachfrage bem Bund, der das Gebäude verpachtet, erfahren, dass dem Verein die Kündigung droht. „Es wurde uns unmissverständlich mitgeteilt, dass wir von weiteren Investitionen absehen und uns nach einem neuen Clubhaus umsehen sollten. Auf die Anmerkung hin, dass wir hier beträchtlich investiert und uns nichts zu Schulden kommen lassen haben, wurde uns gesagt, dass unsere Belange von untergeordnetem Stellenwert wären“, sagt Illy. Rund 10 000 Euro und unzählige Arbeitsstunden hätten er und die übrigen Mitglieder in die Instandsetzung des Umkleidegebäudes investiert. „Das Dach war undicht, die Decke dadurch völlig zerstört, die Fenster waren eingeworfen und die Elektroanlage im Gebäude war vollständig unbrauchbar“, beschreibt Illy den maroden Zustand seines Vereinsheims.

Eine Alternative habe ihm der Bund nicht angeboten. Illy und seine Mannen sind jedoch in der Zwischenzeit selbst aktiv und möglicherweise auch fündig geworden. „An der Haferbreite gibt es eine alte Windhundrennbahn“, erzählt Illy, „der Verein dort will sich bis auf einige Veranstaltungen im Jahr zur Ruhe setzen.“ Die „Altmark Defenders“ streben eine Kooperation an, bei der sie die dortige Halle nutzen können und im Gegenzug bei Veranstaltungen der Windhundfreunde für die Verpflegung sorgen wollen.

„Die Verwaltung prüft zurzeit den Sachverhalt, ob ein Vereinsheim an der Rennbahn möglich wäre“, sagt Sandra Slusarek, Sprecherin der Stadt. Entsprechende Fachämter würden sich mit dem Gesuch Illys auseinandersetzen.

Obwohl sich die „Altmark Defenders“ vom Bund ungerecht behandelt fühlen, haben sie gleichzeitig Verständnis für die Lage der Flüchtlinge. „Mit Sicherheit muss den Menschen, welche vor Krieg und Unterdrückung fliehen, geholfen werden. Aber wir sind ja jetzt auch quasi Flüchtlinge“, so der Defenders-Präsident und stellt gleichzeitig klar: „Die Bürgerbewegung hat uns bei ihrer ersten Demo ins Gespräch gebracht. Aber mit denen wollen wir absolut nichts zu tun haben.“

Von Mike Höpfner

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