Von Woche zu Woche

Mitwisser lachen sich ins Fäustchen

Egal, ob Stendals Ex-Sparkassenchef verurteilt wird oder nicht, der Makel wird an ihm haften bleiben. Grüßen seine Nachbarn ihn noch?

Spürt Dieter Burmeister die Blicke der Menschen auf der Straße, die ihn durch die Bilder aus der Zeitung erkennen? Was mag wohl in ihm vorgehen? Sollte man gar Mitleid mit ihm haben, weil er derart am Pranger steht?

Ulrike Meineke

Fest zu stehen scheint, dass Dieter Burmeister einen Hang zum Luxuriösen hat. Teure Dienstwagen mussten es sein. Und nach fünf, acht oder zehn Monaten musste ein neuer Wagen her. Klar, dass die Autos nach dieser kurzen Zeit nur unter Wert verkauft werden konnten. Ob und wie oft sich Burmeister mit Top-Kunden der Bank in dem Weinkeller des Kreditinstitutes getroffen hat, ist noch unklar, aber Fakt ist: Es gibt diesen Weinkeller und er wurde als „Werbemittellager“ deklariert. Dass es ein Versehen gewesen sein soll, dass das Weinflaschenregal über die Osterburger Geschäftsstelle abgerechnet worden ist, wie es in dieser Woche bei einer Verhandlung hieß, glaube wer will. Dafür, dass man den Weinkeller samt Küche und Klo möglichst geheim halten wollte, spricht auch, dass er „nicht an die große Glocke gehängt werden“ sollte. Und dass das Vier-Augen-System bei der Kontrolle nicht stattgefunden hat, sieht auch eher nach Absicht aus.

Dieter Burmeister hat als Vorstandsvorsitzender der Sparkasse sicher gut verdient. Er hätte sich Luxus leisten können – privat. Dass er seinen offensichtlichen Hang dazu in seinem Job ausgelebt zu haben scheint und damit vielleicht der Sparkasse finanziellen Schaden zugefügt hat, könnte ihm nun zum Verhängnis werden. Dann haben alle einen Buhmann für das, was sich hinter den Fassaden an der Arneburger Straße abgespielt hat.

Einige in der Bank werden dann aufatmen und sich freuen, dass ein Sündenbock für das gefunden wurde, was auch sie wussten. Denn dem „normalen“ Bürger und Sparkassen-Kunden kann niemand weismachen, dass von dem ganzen Schlamassel keiner außer Burmeister gewusst haben will.

Von Ulrike Meineke

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