Kerstin Ramminger berichtet von Existenzängsten und schließenden Betrieben in der Ostaltmark

Milchkrise und „kein Licht am Ende des Tunnels“

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Kerstin Ramminger: „Politische Hilfe ist gefragt.“

mei Stendal. „Stirbt der Bauer, stirbt das Volk, stirbt unsere ländliche Kultur." Kerstin Ramminger, Geschäftsführerin des Stendaler Kreisbauernverbandes (KBV), rät angesichts der seit mehr als einem Jahr anhaltenden Milchkrise dringend zu Nachverhandlungen der Verträge zwischen dem Lebensmittel-Einzelhandel und den Molkereien.

Kerstin Ramminger: „Politische Hilfe ist gefragt.“

„Die üblich gezahlten Preise von 37 bis 39 Cent pro Kilogramm Milch sind eingestampft und die Produktionskosten werden mit 18 und 26 Cent pro Kilo Milch nicht mehr gedeckelt“, konstatiert Ramminger. Sie weiß, dass sich Existenzangst breit macht und Betriebe schließen.

Angesichts des heutigen „Tages der Milch“ hat sich Ramminger Gedanken dazu gemacht, was der Landwirt tun kann. „Machen alle Biomilch, wird dieser Markt auch bald überschwemmt und die Preise sinken“, prophezeit sie. Milch in Direktvermarktung vom Hof sei „eine gute Sache für die regionale Anbindung“, aber mit vielen bürokratischen Hürden und finanziellem Aufwand gespickt. Um Rohmilch zu verkaufen, müssen besondere hygienische Anforderungen eingehalten werden. Der Nutzen liegt laut Ramminger sicherlich im guten Verhältnis zu den Dorfbewohnern, aber ob es sich im ländlichen Raum auch rechnet, hält sie für fraglich.

Ein Zusammenschluss mehrerer Landwirte zur kleinen „Molkerei“, die sich auf regionale Produkte stürzen, eine eigene Marke aufbauen und vermarkten, ist nach ihrer Ansicht „eine Option“, aber nicht die Rettung der Milchwirtschaft. Eine Senkung der Milchleistung in Europa soll den Markt wieder ankurbeln, doch Irland oder die Niederlande, die ihre Milchleistungen bis zu 30 Prozent zum Vorjahr erhöht haben, werden da wohl nicht mitspielen.

Ramminger: „Die Situation ist prekär, der Handel mit Russland außer Kraft gesetzt und die Vorratslager in China sind immer noch voll, die Arabischen Emirate produzieren Milch, weil es Spaß macht und immens kostet, was sie aber nicht davon abhält.“

Die KBV-Chefin schlussfolgert: Für die schwere Krise gibt es kein Licht am Ende des Tunnels. Politische Hilfe und Unterstützung sei gefragt. Ramminger nennt explizit Umstrukturierungshilfen, Anpassungsprozesse und Nachverhandlungen zwischen Einzelhandel und Molkereien.

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