Wie eine zufällige Begegnung das Leben eines Havelbergers veränderte

Markus Lewin – vom Kaufmann zum Bestatter

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René Strawinski und der 29-jährige Havelberger Lewin sind ein gutes Team. Der Zufall hat sie beruflich zusammengebracht.

Stendal. Eigentlich ist Markus Lewin Kaufmann für Verkehrsservice, gelernt hat er bei der Deutschen Bahn. Ein zukunftssicherer Job, könnte man meinen, aber Lewin fand dauerhaft keinen Arbeitsplatz, hielt sich mit branchenfremden Jobs, die er bundesweit machte, über Wasser.

Als er dann erneut arbeitslos wurde, lief ihm auf dem Parkplatz eines Supermarktes zufällig René Strawinski über den Weg. Strawinski ist Bestattermeister in Havelberg. Die beiden Männer kannten sich durch einen gemeinsamen Freund und kamen ins Gespräch. Als Lewin von seiner Arbeitslosigkeit erzählte, fragte Strawinski spontan, ob er sich vorstellen könnte, bei ihm anzufangen.

„Nur unter der Bedingung, dass ich alles zu sehen bekomme“

„Bestatter?“ Das konnte sich Lewin nicht vorstellen. Strawinski bot Lewin ein Praktikum an, damit er sich einen Einblick verschaffen kann. Nach einiger Bedenkzeit nahm Lewin an. „Aber nur unter der Bedingung“, sagte er damals, „dass ich alles zu sehen bekomme, damit ich einen realistischen und ungeschönten Eindruck von der Arbeit bekomme.“

In den zwei Wochen Probearbeiten lernten sich Strawinski und Lewin näher kennen. Der junge Familienvater bekam einen Einblick in die Arbeit des Bestatters. Der Job gefiel dem heute 29-Jährigen und auch Strawinski war begeistert von der Motivation und Einstellung Lewins. „Ich brauche Menschen, die motiviert und kommunikativ sind, Spaß an der Arbeit haben und auch eine gewisse Allgemeinbildung mitbringen. Am besten einen Azubi mit 30 Jahren Lebenserfahrung“, scherzt Strawinski. Aber im Ernst: Ein Stück Lebenserfahrung sei in dem Beruf genauso viel wert wie Einfühlungsvermögen und das Talent, sich auf Trauernde individuell und in dem Moment einzulassen.“ All das erkannte Strawinski in Lewin. Dieser reichte seine schriftliche Bewerbung nach und machte auch den Einstellungstest. In kurzer Zeit stand der Entschluss beider Seiten fest.

Strawinski, selbst Dozent am Ausbildungszentrum Münnerstadt, bestand auf eine solide Ausbildung. Eine erneute Ausbildung mit Lehrlingsvergütung kam für den damals 27-jährigen aber nicht in Frage. „Schon aus finanziellen Gründen hätte ich mir das nicht leisten können“, beschreibt Lewin, der als Vater einer siebenjährigen Tochter Verantwortung trägt, seine Situation.

Nach mehreren intensiven Gesprächen mit der Agentur für Arbeit Stendal fand man eine Lösung, mit der beide Seiten leben konnten. „Im Programm ‚Spätstarter gesucht‘ wurden junge Menschen zwischen 25 und 35 Jahren angesprochen. Ziel war und ist es, sie für den Erwerb eines Berufsabschlusses zu gewinnen. Die Ausbildung von Herrn Lewin als Kaufmann im Verkehrsservice war nach vier Jahren berufsfremden Einsatzes nicht mehr verwertbar und er zählte zu den Wiederungelernten, sodass er mit dem Programm unterstützt werden konnte“, so Christian Semmler, Arbeitsvermittler in der Agentur für Arbeit.

Die Förderung der Arbeitsagentur umfasste das Arbeitslosengeld bei Weiterbildung sowie Lehrgangskosten, Fahrkosten zum Arbeitgeber und zur Berufsfachschule nach Bad Kissingen, Unterkunftskosten, aber auch Kosten für Arbeitsbekleidung. Strawinski selbst zahlte eine ausbildungsgeldähnliche Vergütung.

Jetzt ist Lewin angekommen – in der Heimat und im Beruf. Nach der Umschulung bot ihm Strawinski einen Arbeitsvertrag an, der einen nahtlosen Übergang ermöglichte. „Ich bin froh, endlich wieder in der Heimat bei meiner Partnerin und Tochter zu sein und eine feste Anstellung vor Ort zu haben“, sagt der Havelberger stolz nach Abschluss der Umschulung.

Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, in dem Beruf alt zu werden, antwortet Lewin schmunzelnd: „Ja, das kann ich!“

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