Leerstand und Umbruch: Hansestadt setzt auf neues Pflaster, zusätzliche Kaufleute, Touristen und Straßengastronomie

Marktplatz im Schatten der Einkaufsmeile

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Markplatz und angrenzende Straßen sind ein hartes Pflaster für Kauf- und Geschäftsleute. Immer wieder stehen Läden leer. Für den Sommer sind weitere Bauarbeiten angekündigt. Die Zäune für die Archäologen, die im Vorfeld graben wollen, sind gestern aufgestellt worden. Der Wochenmarkt muss umziehen. In einigen Läden wie im früheren PUG-Kaufhaus wird für die Zukunft umgebaut.

Stendal. Am Eckhaus zum Birkenhagen ist die Versicherung schon wieder ausgezogen. Der Eigentümer wirbt mit „Geschäftsräumen in Toplage“ auf einem Stück Papier am Fenster um einen neuen Mieter.

Weiter links befindet sich ein Objekt seit Jahren im Dornröschenschlaf, das Theater nutzt es zumindest für Werbezwecke. In einem Geschäft am Kornmarkt herrscht seit einigen Wochen gähnende Leere, immerhin werkeln inzwischen Handwerker für die Zukunft. An der Marienkirchstraße steht ein weiterer Laden leer. An der Ecke zur Hallstraße erneuern Arbeiter das frühere PUG-Kaufhaus. Das Quartier gegenüber hat eine nicht minder wechselvolle Geschichte, unter anderem versuchte sich dort ein Lebensmittelhändler. Stendals Marktplatz hat es schwer in der umkämpften Einkaufswelt, es herrscht ein Kommen und Gehen, nur wenige Geschäftsleute können sich dauerhaft halten. Und schon bald beginnen neue Bauarbeiten.

Den Archäologen folgen Bauarbeiter

„Letztendlich stellt eine Baumaßnahme natürlich immer auch eine Beeinträchtigung der Geschäftstätigkeit dar“, gesteht Stadtsprecher Klaus Ortmann unumwunden ein. Aber bereits beim Ausbau von Kornmarkt und Marienkirchstraße habe es im Vorfeld viele intensive Gespräche mit den Anliegern gegeben, um deren Probleme schnellstmöglich aufzugreifen und nach Lösungen zu suchen. Die Wirtschaftsförderung wolle auch bei Sanierung des Marktplatzes die Anlieger beraten und gerade bei unvorhergesehenen Schwierigkeiten nach Lösungen suchen. Bewährt hätten sich beispielsweise Werbebanner an ausgesuchten Standorten, um die Kundschaft trotz des Baugeschehens in die Geschäfte zu bringen. Archäologen werden dieser Tage mit ihren Grabungen beginnen. Die eigentliche Sanierung startet nach dem Rolandfest im Juni und soll, wenn keine unvorhersehbaren Probleme auftreten, bis zum Weihnachtsmarkt beendet sein.

Markt und Umgebung allesamt 1 B-Lagen

Der Marktplatz und die angrenzenden Seitenstraßen seien sogenannte 1B-Lagen. „Marktplatz, Marienkirchstraße und Kornmarkt grenzen zwar direkt an die Fußgängerzone, werden aber durch die etwas abseitige Lage, leider nicht so wie die Einkaufsmeile Breite Straße angenommen“, schätzt der Stadtsprecher ein. Die Ursachen für diese Entwicklung seien vielfältig. Die nicht gerade unerhebliche Flächenausdehnung der Stendaler Innenstadt insgesamt spiele sicherlich eine Rolle. „Die Menschen frequentieren überwiegend den Fußgängerbereich der Breiten Straße, in der sich auch größtenteils die Einkaufsmagneten befinden. In diesem Bereich besteht ein breites Warenangebot. Die Flächenstrukturen unterscheiden sich grundlegend von denen am Marktplatz. Die Cafés am Markt werden gut besucht, können aber letztendlich die positiv wirkenden Faktoren innerhalb der Breiten Straße nicht ausgleichen.“

„Händler profitieren von der Sanierung“

Wobei Ortmann die Situation rund um den Marktplatz als gar nicht so schlecht einschätzt. Der Leerstand sei eher gering, überhaupt sei die Situation momentan recht positiv. Und: „Von der kompletten Sanierung innerhalb dieses Areals werden die ansässigen Händler sicher profitieren, und erfahrungsgemäß verbessert sich die Gesamtsituation durch bauliche Erneuerung eines Straßenzuges oder zentralen Platzes.“ Am Marktplatz sitzt ein Großteil der Verwaltung. So zieht es die Bürger bei Fragen nicht allein ins historische Rathaus, sondern auch ins Stadthaus und in ein weiteres Gebäude. An der Brüderstraße befindet sich ein größerer Parkplatz. Auch so scheint sich die Parkplatzsuche für Kunden in der Innenstadt nicht mehr ganz so nervig zu gestalten, auch wenn der Ruf nach weiteren Halteflächen immer wieder einmal laut wird.

Handwerker erneuern früheres PUG-Kaufhaus

Was mit dem ehemaligen PUG-Kaufhaus passiert, dazu kann sich Ortmann noch nicht großartig äußern, da der Stadt noch keine detaillierten Informationen vorliegen. Nur so viel: „Prinzipiell ist jede Nutzung positiv zu bewerten, durch die eine Belebung des Marktplatzbereiches erfolgt. Auch ein Dienstleistungsunternehmen ist eine Komplettierung des Angebotes und wird durch Kundschaft frequentiert.“ Es müsse eben nicht immer der typische Einzelhandel sein. Auch in der Fußgängerzone seien alle für eine Innenstadt attraktiven Geschäftsfelder als Filialen vertreten. Handwerker sind schon seit einigen Wochen im einstigen PUG-Kaufhaus im Gange. In der Bevölkerung wird bereits reichlich spekuliert. Der neue Betreiber will noch etwas warten und die Öffentlichkeit erst in einigen Tagen informieren. „Wir sind einfach noch nicht so weit, es müssen sich alle noch etwas gedulden – auch wenn es schwerfällt“, heißt es auf Nachfrage der AZ.

Stadt hofft auf Besucher und plant Wasserspiel

Der Markt bildet mit dem Ensemble Rathaus, Marienkirche und Roland die städtische Mitte. Dort finden Stadtfeste und zahlreiche andere Veranstaltungen statt. Auch der Wochenmarkt sei „eine immer gut frequentierte Gelegenheit“ zum Einkaufen und um Leute zu treffen. „Diese Funktion auszubauen, ist ein Ziel nach der Sanierung. Mit der Neugestaltung erwarten wir auch ein zunehmendes Interesse auf der touristischen Schiene“, betont der Stadtsprecher. Die einmalig gute Gelegenheit, die „Aufenthaltsqualität“ zu verbessern, werde ja auch noch diskutiert. Der Stadtrat hat die Verwaltung beauftragt, den Einbau eines Wasserspieles auf dem Markt in die Planung einzubinden. „Wir hoffen auch, dass sich mit der Erneuerung des Areals Straßengastronomie auf dem Platz etabliert, damit auch die Funktion eines zentralen Treffs mit Sitzgelegenheiten zum Verweilen, Ausruhen und Kommunizieren weiter entwickelt werden kann.“

Wirtschaftsförderer sehen Leerstand und Baulücken

Eines der wichtigsten Ziele der städtischen Planungen und Investitionen sei die durchgehende Sanierung der historischen Stendaler Innenstadt. „Hier wurde in den letzten Jahren viel erreicht, um die wertvolle Bausubstanz zu erhalten, zu modernisieren und wieder mit Leben zu erfüllen“, ist sich Ortmann sicher. Die Erneuerung von Straßen, Wegen, Plätzen und Grünanlagen gehöre zu den Rahmenbedingungen, die eine Kommune setzen könne, um die Attraktivität eines Stadtzentrums zu steigern. Die städtische Wirtschaftsförderung sei der Ansprechpartner für alle Einzelhändler und Immobilienbesitzer. Der Rathaussprecher für seine Kollegen: „Hier wird umfänglich bei der Vermarktung beziehungsweise Akquise beraten und unterstützt. Insbesondere der Leerstand an Gewerbeflächen und die in geringem Maße noch vorhandenen Baulücken liegen im Fokus der Aktivitäten der Mitarbeiter dieses Amtes.“

Von Marco Hertzfeld

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