Mutter von Zwillingen beklagt zu wenige Kita-Plätze und mangelnde individuelle Betreuung

„Man kann schon mehr erwarten“

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Über zu wenige Kita-Plätze in der Rolandstadt beschwert sich Mutter Christin Prothmann. Auch, dass die Kinder in vielen Einrichtungen nicht ausreichend individuell betreut werden, stört die Stendalerin. 

Stendal. Ein Kind, das das erste Lebensjahr vollendet hat, hat bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres Anspruch auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung oder in Kindertagespflege. Seit dem 1. August 2013 ist dieser Rechtsanspruch Teil des Kinderförderungsgesetzes.

Dass die Realität teilweise anders aussieht, weiß Christin Prothmann. Die Mutter zweier Kinder hat Monate mit der Suche nach einem Krippenplatz für ihre Zwillinge aufwenden müssen, wie sie der AZ in einem Brief mitteilt.

Prothmann kümmerte sich bereits während der Schwangerschaft um geeignete Plätze. „Ich rief bei zehn Kitas an, ob privat oder städtisch geführt, und landete auf Wartelisten, Aber das wird kein Problem sein, denn es gibt ja diesen tollen Rechtsanspruch. Und gleich nach der Geburt könne man sich bei der Stadt für zwei Plätze anmelden und das taten wir natürlich.“ Nach der Geburt habe sie noch einige Absagen erhalten, sich darüber bei der Vielzahl an Einrichtungen aber keine weiteren Gedanken gemacht.

„Es gibt ja noch die städtischen Kitas und die haben auch einen tollen Ruf. Die freundliche Vermittlerin in der Stadt sagte mir, eine Anmeldung Ende März dieses Jahres sei kein Problem. Anfang März sah es anders aus, da hieß es plötzlich Mai, dann August. Die Krippen-Odyssee bei allen anderen Trägern blieb auch weiter ohne Erfolg“, zeigt sich Christin Prothmann verzweifelt, „am Ende war es uns sogar egal, ob sich die Krippe an Jesus Christus, Johann Pestalozzi oder Pythagoras orientiert“.

„Wir verzeichnen generell einen zunehmenden Bedarf an Kita-Plätzen. Es ist erfreulich, dass die Geburtenrate nach oben gegangen ist. Das wird auch zu einem Teil an den Menschen liegen, die aus Krisengebieten zu uns gekommen sind“, so die Aussage von Stadtsprecher Klaus Ortmann. Die Geburtenraten würden laufend beobachtet, sodass Baumaßnahmen, etwa wie der Ausbau von Kitas, frühzeitig in Angriff genommen werden können.

Doch Prothmann beklagt nicht nur zu wenige Kita-Plätze, sie kritisiert auch die dortige Betreuung. „Kinderkrippe ist nicht gleich Kinderkrippe. Und bei den Summen, die man im Jahr bezahlen darf, kann man schon ein bisschen mehr erwarten“, so die engagierte Mutter, „freundliche und engagierte Mitarbeiter, ein pädagogisches Konzept, Sicherheit in der Einrichtung. Doch dies ist in vielen Einrichtungen bis heute nicht angekommen.“ Das Recht auf eine Wunsch-Kita ist im Gesetz nicht verankert. Genauso wenig ist definiert, wie weit die Kita vom Wohnort entfernt sein darf. „Die Betreuungspersonen in den Einrichtungen wissen einfach zu wenig. Sie haben zwar Kenntnisse über die Entwicklung der Kinder, aber sie wissen zu wenig über die Kinder selbst. Kinder lassen sich nicht wie in einer Fabrik zusammenbauen und optimieren“, legt Prothmann Wert auf individuelle Betreuung. „Die Frage, wie jemand sein Kind betreuen lassen möchte, kann jeder nur für sich beantworten.“ Eltern sollten laut Prothmann schlechte Kita-Zustände anprangern.

Von Mike Höpfner

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