Drogen und Waffen im Rucksack / Berufung eines vorbestraften Mannes scheitert

Landgericht Stendal: Beim Urteil „alle Hühneraugen zugedrückt“

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Ein 34-Jähriger hatte gestern schlechte Karten vor dem Landgericht. Er wollte eine mildere Strafe.

mih Stendal. Knapp ein halbes Pfund Amphetamine, weitere Drogen und Waffen hatte die Polizei im Rahmen einer Durchsuchung bei einem 34-Jährigen gefunden. Ein Gericht verurteilte ihn deswegen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten.

Für den einschlägig vorbestraften Angeklagten offenbar zu viel, denn er ging vor dem Stendaler Landgericht in Berufung.

Es ist der Sonntag nach dem letztjährigen Rolandfest. Bereits gegen kurz nach 7 Uhr habe der Angeklagte Besuch von seiner Freundin bekommen, es habe Streit gegeben. Die Freundin habe dann gegen 7.30 Uhr die Polizei verständigt. Die Beamten hätten „neben einigen Kleinmengen“ insgesamt 246 Gramm Amphetamine in einem Rucksack gefunden, wie der Vorsitzende Richter Gundolf Rüge gestern aus der Anklageschrift verlas. Zusätzlich zu Amphetaminen und geringen Mengen Marihuana – etwa 1,3 Gramm – hätten die Beamten noch ein Einhandmesser, Reizgas und eine als Schlagstock umfunktionierte Luftpumpe bei dem Beschuldigten gefunden.

Für Rüge stand fest, dass der 34-Jährige diese Drogen bei sich hatte, um sie weiterzuverkaufen. „Wir haben auch szenetypische Folienbeutel gefunden. Deren Besitz ergibt sonst gar keinen Sinn“, so Rüge, „auch ist der Angeklagte bereits einschlägig vorbestraft.“ Für den Vorsitzenden stand während der Verhandlung noch etwas fest: Der Beschuldigte hat mit dem Urteil aus erster Instanz „in mehrerlei Hinsicht Glück gehabt“. Zum einen sei die Strafe „zu Unrecht“ zur Bewährung ausgesetzt worden, zum anderen sei das Strafmaß generell eher niedrig angesetzt. Das Gesetz sieht für den bewaffneten Handel mit Drogen eine Mindestfreiheitsstrafe von fünf Jahren vor. Um einen minderschweren Fall handele es sich nicht. Grund sind die Vorstrafen des Angeklagten, so Rüge.

Das Amtsgericht Stendal habe die Strafe „mit dem Zudrücken aller Hühneraugen“ formuliert. „Eine Rücknahme dieser Berufung sollte ernsthaft in Betracht gezogen werden“, mahnte Gundolf Rüge in Richtung des Angeklagten und seiner Verteidigerin Katja Sonne-Albrecht. Der 34-jährige Angeklagte, der eine fünfjährige Tochter hat, folgte den Worten Rüges und zog seine Berufung zurück. Damit ist das Urteil des Amtsgerichts rechtskräftig.

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