Theatertruppe um Werbens zurückgetretenen Bürgermeister unterhält wie Eulenspiegel

Kuhstallkultur treibt Schabernack

+
Mit Glöckchen am Haupt zeigt sich Schauspieler Jacob Matschenz vor zwei Jahren in Quedlinburg als Till Eulenspiegel für einen ARD-Weihnachtsfilm. Die „Dilettantengesellschaft Altmärkisches Treibgut“ feiert mit dem Stoff am Samstag in Werben Premiere.

Werben. Wie die Faust aufs Auge fügt sich Werbens aktuelle Realpolitik in das neue Stück der „Dilettantengesellschaft Altmärkisches Treibgut“.

Die Theatertruppe hat ausgerechnet eine Posse namens „Schabernack über Schabernack“ aus der Feder des österreichischen Komikers Johann Nestroy auf den Spielplan gesetzt – während es nach dem erklärten Rücktritt von Bürgermeister Jochen Hufschmidt vor einer Woche und dem Austritt der drei Werbener Verbandsgemeinderäte Hufschmidt, Ines Bergmann und Bernd Schulze aus der Bürgerfraktion am Montagabend (AZ berichtete) in der Gegend massiv rumort. So nimmt in drei Tagen kein Geringerer als Spitzbuben-Intrigant Eulenspiegel Kurs auf die Lachmuskeln der Kleinstadtbewohner, die ihrem elften Biedermeier-Sommer im hohen Norden des Landkreises entgegensehen.

Vorhang auf für die Aufführung um den lustigen Vagabunden im Hoftheater an der Seehäuser Straße erlebt das Publikum am Samstag, 2. Juli, zur Premiere um 19 Uhr, sowie am Sonntag, 3. Juli, um 17 Uhr. Dem seit elf Jahren agierenden Ensemble gehört auch das nochamtierende Oberhaupt der Stadt an. Es residiert in einem ehemaligen Kuhstall, dessen Umbau im Herbst 2012 begonnen hatte. Entstanden ist die Truppe, nachdem zum Biedermeier-Christmarkt das Stück „Weihnachtsgans Auguste“ aufgeführt worden war. Als „Dilettanten“ sind Anna Radtke, Gisela Hilscher, Iris Lange, Petra Joensson, Elisabeth Gellerich, Gerhard Seidel, Peter Stahl, Margret Zwinzscher, Kerstin Mellenthin, Janka Radtke-Trunk, Tine Scheffler, Astrid Dickehut, Mona Zwinzscher und Tina Reppenhagen gelistet.

Nestroys Stück zeigt die Posse um den Tausendsassa in der Tradition des Hanswursts des Alt-Wiener Volkstheaters. Die Geschichte über Müllermeister Mehlwurm, der Mündel Lenchen ehelichen will, obwohl diese längst Jäger Heinrich verfallen ist, nimmt durch das listige Eingreifen von Eulenspiegel die erwartete verzwickte Wendung – denn der Intrigant treibt sein Verwirrspiel auf die Spitze.

Werbens Kuhstallkultur ist aber nur einer von vielen Höhenpunkten des elften Biedermeier-Sommers, der am Samstag um 12 Uhr durch das Stadtoberhaupt mit dem Marktvogt, dem Chef des Arbeitskreises Werbener Altstadt (AWA) und des Werbener Pfarrers eröffnet.

Von Antje Mahrhold

Kommentare