Konzept gegen Partykrach

Open-Air-Veranstaltungen in Stendal sollen stärker reglementiert werden

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Das „Indian Spirit“-Festival im vergangenen Jahr hatte eine Debatte um die Lärmbelästigung bei Großveranstaltungen ausgelöst. Ein Konzept soll nun Abhilfe schaffen.

Stendal. Zum gesellschaftlichen Miteinander in einer Stadt wie Stendal gehören Veranstaltungen unterschiedlichster Art. Vor allem in den Sommermonaten bieten sich dafür sogenannte Open-Air-Veranstaltungen, also Festivitäten unter freiem Himmel, an.

Doch wo viele Menschen zusammenkommen und feiern und wo möglicherweise auch Musik gespielt wird, entsteht eine gewisse Lärmkulisse. Damit sich Unbeteiligte davon nicht gestört fühlen, hat die Hansestadt nun ein Konzept zum Umgang mit Open-Air-Musik-Veranstaltungen entwickelt. Dieses regelt neben den Auflagen für gewerbliche Veranstalter auch die Sperrzeiten.

„Im Ergebnis des ‘Indian-Spirit’-Festivals hat die Stadt ein Konzept erarbeitet“, so beschrieb Stadtsprecher Klaus Ortmann vor einiger Zeit die Reaktion der Verwaltung auf die Lärmbeschwerden von Bürgern im vergangenen Jahr. Das mehrtägige Festival fand 2015 auf dem Areal des Borsteler Flugplatzes statt (AZ berichtete). Eine umfassende Lärmschutz-Satzung, um solche Vorfälle künftig zu vermeiden, ist in Stendal nicht möglich. Der Erlass der aktuellen Verordnung zur Umsetzung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes würde ein solches Konzept sogar rechtswidrig machen, wie die Stadt in ihrem Open-Air-Konzept mitteilt. Auch „eine gesetzliche Anzeige- oder Genehmigungspflicht für Veranstaltungen ist in Sachsen-Anhalt ordnungsrechtlich nicht festgelegt“.

Gewerbliche Veranstalter müssen sich künftig an einige Regeln halten. Musikanlagen sollen durch einen Gutachter eingepegelt und anschließend verplombt werden. Die Geräte müssen die technischen Vor-aussetzungen erfüllen. Weiterhin muss ein Gutachter während der Veranstaltung mindestens eine Kontrollmessung vornehmen und diese protokollieren. Wichtig für Anwohner: Die Nachbarschaft soll laut Konzept zwei Wochen vorher über die Veranstaltung informiert werden. Auch sind gewerbliche Veranstalter verpflichtet, einen Ansprechpartner für Beschwerden zu benennen und die Telefonnummer bekannt zu geben. An einem Veranstaltungsort sollen Open-Air-Musikveranstaltungen nicht an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden stattfinden.

Handelt es sich um nicht gewerbliche Veranstalter wie Vereine oder „begründete Einzelfälle“, könne von den Auflagen abgesehen werden. Für die Sperrzeit zwischen 1 und 6 Uhr früh gelten ähnliche Grundlagen. In den Ortschaftsräten wurde das Konzept bereits besprochen. In der kommenden Woche wird es Thema im Kultur-, Schul- und Sportausschuss sein.

Von Mike Höpfner

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