Gegen die Tangerhütter Sparpläne für den Wildpark regt sich in Weißewarte verstärkt Widerstand

„In der kommunalen Hand lassen“

Weißewarte. In Weißewarte und Umgebung rumort es. Mit seinen Plänen, den Wildpark aus Kostengründen 2020 einer gemeinnützigen Gesellschaft zu übergeben, rennt Andreas Brohm, der parteilose Bürgermeister der Einheitsgemeinde Tangerhütte, nicht gerade offene Türen ein.

Sogar von einem ersten Krisentreffen in der nächsten Woche ist die Rede. Detlef Radke, Ortsbürgermeister und Landtagsmitglied: „Es ist logischer und vernünftiger, eine solche Einrichtung in der direkten kommunalen Hand zu lassen. So steuert sich vieles einfach besser. Der Park ist eine Erfolgsgeschichte, die weit über unsere Grenzen hinaus strahlt. Niemand sollte dies gefährden. “ Zumal es ähnliche Überlegungen schon einmal vor gut 20 Jahren gegeben habe, damals war der Ort noch eigenständig. „Die Unwägbarkeiten sind zu groß. Herr Brohm sollte auf uns langjährige Kommunalpolitiker hören. “.

Ortsbürgermeister Radke:

Kleines Defizit akzeptabel

Die Einheitsgemeinde befinde sich in der Konsolidierung, jeder Euro zähle, sicherlich. „Allerdings sollten wir das Kind nicht mit dem Bade ausschütten. Der Park kostet jährlich 150 000 Euro, was mich ehrlich gesagt überrascht hat. Wir hatten damals Kosten in Höhe von ungefähr 110 000 Euro. Die Einnahmen sind nicht immer gleich, natürlich, doch sie können sich stets sehen lassen, ein Defizit im fünfstelligen Bereich bleibt so gut wie immer. In unserer Gegend gibt es nicht viele herausragende Freizeitstätten. Das sollte uns ein solches Gelände deshalb auch wert sein“, findet der Christdemokrat. Die Einheitsgemeinde könne in den nächsten zwei, drei Jahren mit zusätzlich etwa einer halben Million Euro vom Land rechnen. „Was funktioniert, sollten wir so lassen.“

Fast eine Million Euro

seit 2015 investiert

Annette Friedebold möchte die Pläne aus dem Tangerhütter Rathaus nicht groß kommentieren. „Allerdings schlägt mir das schon irgendwie auf den Magen“, macht die Leiterin des Wildparks aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Mindestens ein Großteil des Fördervereins dürfte ähnlich denken, glaubt sie. In zweieinhalb Jahren könnte Friedebold in den Ruhestand gehen. „Wir können alles gebrauchen, nur keine unsicheren Zeiten.“ Die Schäden durch das extreme Hochwasser im Jahre 2013 sind gerade erst beseitigt, einige Arbeiten stehen noch aus. Annähernd eine Million Euro sind seit Herbst 2015 ins ostaltmärkische Weißewarte geflossen. „Der Park ist so gut wie neu.“

Parkchefin rechnet 2016

mit Topbesucherzahl

Und die Besucher kommen, mehr als sonst. Bis Mitte September waren es bereits 29 036 zahlende Gäste. Friedebold rechnet mit 33 000 Besuchern am Jahresende wenn denn das Wetter weiter so gut mitspiele. „Seit 1999 sind wir regelmäßig unter der 20 000er-Marke geblieben. Eine Ausnahme war noch 2014 mit mehr als 30 000 Gästen. Ein großer Magnet seien die Flohmärkte, von denen es auch im nächsten Jahr sieben geben soll. Die aktuelle Saison ist beendet, allein zu den Marktzeiten kamen 2016 insgesamt mehr als 8500 Menschen auf das Gelände. „Seit 2006 mischen wir als Organisatoren in der Region mit. Wir haben uns längst etabliert“, ist die Wildparkchefin überzeugt und lächelt zufrieden.

Gehege der Luchse soll

bis November fertig sein

Wer das Gästebuch durchblättert, findet Einträge von Menschen aus der halben Republik. „Der Park ist 1973 eröffnet worden, auch in Westdeutschland werden wir nun immer bekannter. Egal, woher die Leute auch kommen, wir sind ein Park für den kleinen Geldbeutel, das scheint mir ungemein wichtig.“ Allesamt sehen sie neue Unterkünfte für Wildkatze, Fuchs & Co., frisch gesetzte Zäune im gesamten Park, der gut 15 Hektar groß ist und etwa 400 Tiere in 50 Arten beheimatet, eine neue Toilettenanlage und anderes mehr. Das Gehege für die zwei Luchse soll bis November fertig sein.

Wisent könnte schon

bald zurückkehren

Die scheinbar nimmermüde Tierfreundin sieht den Park für die Zukunft gut aufgestellt. Allerdings gebe es eine Tierart, die den Gästen offenbar fehle: der Wisent. „Selbst Landrat Wulfänger hat sich bei einem Termin nach der aktuellen Entwicklung erkundigt.“ Bis vor gut sieben Jahren wurden noch Wisente im Wildpark gehalten. Eine ominöse bakterielle Erkrankung raffte die kleine Herde dahin. „Der Wisent gehört hierher, und er wird auch wieder zu sehen sein, aber nicht heute oder morgen, es braucht noch Zeit“, so Friedebold im Gespräch mit der AZ.

Von Marco Hertzfeld

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