Von Woche zu Woche

Klassenkampf im Klassenzimmer

Der Abgeordnete Frank Rossau hat da während des jüngsten Kreisbildungsausschusses ein ganz heißes Eisen angepackt.

Die Rede ist von einer fehlenden verbindlichen Laufbahnempfehlung für Schüler nach dem Absolvieren der Grundschule. Es gebe zu viele Akademiker, meint Rossau, und zu wenige, die sich für das Handwerk interessieren – oder wie es Arendsees Bürgermeister Norman Klebe formulierte: „Die auch arbeiten.“

Jens Heymann

In Sachsen-Anhalt entscheiden seit 2012 wieder allein die Eltern, welche schulische Karriere ihre Sprösslinge einschlagen, ob Sekundarschulbereich oder Gymnasium. Ungeachtet dessen, wie talentiert der Nachwuchs tatsächlich ist. Schüler aus bildungsschwachen Haushalten würden von Lehrern nicht genauso fair bewertet werden wie die aus besserem Haus, hieß es damals von Kritikern der Laufbahnempfehlung. Überspitzt ausgedrückt: Ein weiterer Grund für das Abschaffen verbindlicher Empfehlungen war der, dass trotzdem immer mehr Kinder auf das Gymnasium wechselten. Die erst 2006 eingeführte Laufbahnempfehlung wurde daher schon sechs Jahre später wieder gekippt.

Nun beginnt die Diskussion also von vorn, noch nicht einmal zehn Jahre nach dem ersten Versuch. Was zeigt, wie unsinnig das Ganze eigentlich ist. Eine Art politischer Kreisverkehr.

Die Zeiten, wo nur wenigen Jugendlichen eine höhere Schullaufbahn offenstand, sind glücklicherweise seit 25 Jahren Geschichte. Diese Form von Bildungsdiskriminierung gehörte zu den ersten Dingen des DDR-Erbes, die abgeschafft wurden.

Das jetzige Schulsystem in Sachsen-Anhalt kann die Karriere jedes Schülers in sich regeln. Wer zu schlecht für das Gymnasium ist, merkt das spätestens, wenn er oder sie den Sprung in die nächste Klasse nicht mehr schafft.

Dass Lehrer den Eltern eine unverbindliche Empfehlung aussprechen, ist eine andere Sache. Ein solcher Rat wäre sicherlich hilfreich, sollte die Eltern aber nicht aus ihrer Verantwortung nehmen. Zur Erziehung gehört eben auch zu wissen, was das Beste für das eigene Kind ist.

Und der Mangel an Handwerkern? Nun, der wird sich nicht durch Zwang auflösen lassen. Wer sich für Tätigkeiten dieser Berufsgruppe nicht interessiert, der wird es auch durch Druck von außen kaum zum Meister bringen.

Von Jens Heymann

Rubriklistenbild: © dpa

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