Keine Einigung von Entsorger, Stadt und Landkreis: Färberhof räumt Müllsammelplatz selbst

Kinder machen klar Schiff vor dem Generationenzentrum

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Jakob Steinmetz (vl.) Karlotta Boetzer und Alina Bösener sammeln mit ein: Über Wochen blieb der Müll vor ihrem Kindergarten liegen, nun musste die Einrichtung selbst für Ordnung sorgen.

Stendal. Mitarbeiter und Kinder des Färberhofs haben für Ordnung gesorgt. Damit sind sie Stadt, Landkreis und Müllentsorger zuvorgekommen.

Denn seit etwa fünf Wochen lag an dem Müllsammelplatz vor dem Generationenzentrum ein kleiner Müllberg, der sich über die Wochen mit der Witterung über die halbe Straße verteilte. Die gelben Säcke waren zum Teil falsch befüllt, und verantwortlich hatte sich bis zuletzt niemand gefühlt.

Brot, Akkus oder Farben haben sich unter den Verpackungsmüll in der Hohen Bude gemischt.

Wegen der Baustelle auf dem Marktplatz wurde vor dem Färberhof ein Müllsammelplatz eingerichtet. Der Entsorger ist die Cont-Trans aus Tangerhütte. Deren Mitarbeiter haben in den Säcken aber falsche Müllbestandteile gefunden und sie deshalb nicht mitgenommen. In dem Abfall befanden sich unter anderem ein geringer Teil Glas, Farbe oder Papier. „Wir können diese Bestandteile ohne Auftrag einfach nicht mitnehmen“, erklärt dazu Norman Mattke, Projektleiter bei Cont-Trans. Dem Entsorger fehle schlicht die Berechtigung, anderen Müll als den für die Gelben Tonnen vorgesehenden mitzunehmen, selbst wenn gewollt. Die Entsorgung dieses Mülls falle dann zurück in die zuständige Gebietskörperschaft.

Und da ist der Knackpunkt: Wer zuständig ist, ist ungeklärt. Stadt Stendal und Landkreis Stendal zeigen auf den jeweils anderen. Laut Stadtsprecher Klaus Ortmann ist der Landkreis die entsprechende Abfallbehörde, laut Kreissprecher Edgar Kraul ist die Stadt die Ordnungsbehörde. So bleibt der Müll liegen, denn welcher Bürger den Müll ursprünglich überhaupt falsch befüllt hat, ist nicht zu ermitteln. Eine Bemerkung erlaubt sich Stadtsprecher Ortmann noch: Die Mitarbeiter der Cont-Trans würde auch mit großer Strenge in Säcken und Tonnen nach „Falschmüll“ suchen: „Man nimmt dabei einen erheblichen zeitlichen Aufwand in Kauf“, meint er.

Dem Färberhof wurde das zu bunt. Marika Mund, die Leiterin der Kita: „Grundsätzlich finden wir es selbst nicht gut, dass wir das machen mussten.“ Denn die Frage um die Zuständigkeit löse sich so nicht. „Wir haben es aber aus pädagogischen Gründen gemacht. An diesem Müllberg laufen jeden Tag unsere Kinder vorbei. Und wir sind einfach nicht in der Lage, den Kindern zu erklären, warum Erwachsene ihren Müll liegen lassen.“

Die Entsorgung des Mülls hat den Färberhof bei der Deponie 54 Euro gekostet, zweieinhalb Arbeitsstunden und zwölf gefahrene Kilometer. Das macht die Einrichtung auf eigene Kosten.

Von Kai Hasse

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