14-Jähriger weiter ohne Hortplatz / Landtag lehnt Gesetzesänderung ab

Keine Ausnahme für Max

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Max ist mit dem Down-Syndrom geboren worden. Der 14-Jährige spielt am liebsten mit Feuerwehrautos. Seine berufstätige Mutter sucht händeringend eine Nachmittagsbetreuung.

Goldbeck/Magdeburg. Die Aufregung stand Ellen Vinzelberg ins Gesicht geschrieben, als sie zum ersten Mal den Landtag in Magdeburg betrat. Von der Besuchertribüne aus verfolgte die Goldbeckerin die Debatte.

Schließlich ging es um ein Thema, das ihr persönliches Schicksal und besonders das ihres benachteiligten Sohnes Max betrifft (AZ berichtete).

Der Junge ist mit dem Down-Syndrom geboren worden und muss rund um die Uhr betreut werden. Bis vor kurzem kein Problem, denn neben Familie und Schule bot ihm der Hortaufenthalt einen geregelten Tagesablauf. Das änderte sich schlagartig. Da in Sachsen-Anhalt die nachschulische Betreuung geistig behinderter Kinder nur bis zum 14. Lebensjahr gesetzlich garantiert ist, muss Ellen Vinzelberg tagtäglich darum kämpfen, wie sie die Nachmittage organisiert.

Der Hort bleibt dem Jungen nun verwehrt. „Wenn ich Frühschicht habe, gehört die Straße mir, damit ich pünktlich zu Hause sein kann“, berichtet sie. Ansonsten springen die Großeltern, die 70 Jahre alt sind, ein um zu helfen. Ein Dauerzustand ist das nicht, sagt Ellen Vinzelberg.

Helfen wollte auch Landtagsmitglied Helga Paschke, als sie von der Geschichte erfuhr. Ihre Partei, die Linke, brachte einen Antrag in Sachsen-Anhalts höchstes Parlament ein, um die Gesetzeslücke zu schließen. Der Vorstoß sah unter anderem die Schaffung von Ganztagsangeboten in allen Förderschulen für geistig Behinderte vor.

Jetzt stand das Thema im Parlament auf der Tagesordnung und damit die Geschichte von Max und eines weiteren Betroffenen im Mittelpunkt der Debatte. Für Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) seien dies aber „Einzelfälle“, die keine Gesetzesänderung rechtfertigen würden. Er pries das nach seiner Meinung nach bereits vorhandene, gute Betreuungsangebot. Bei Einzelproblemen sei Kompromissbereitschaft gefragt, schob er den „Schwarzen Peter“ an die Eltern.

Dieser Meinung schloss sich die Koalitionsmehrheit von CDU und SPD an. Der Antrag der Linken wurde abgelehnt, die Landesregierung will lediglich in zuständigen Landtagsausschüssen über Erfahrungen bei Betreuungsangeboten an Förderschulen berichten.

Die Mutter aus Goldbeck schüttelt auf der Tribüne darüber ungläubig den Kopf. Ihre Aufregung ist inzwischen Ernüchterung und Wut gewichen. Aber: Ellen Vinzelberg will auf jeden Fall weiter kämpfen.

Von Christian Wohlt

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