Zahl der Schwangerschaftsabbrüche stark rückläufig

Kein Ansturm auf die „Pille danach“: Apotheken verzeichnen nur mäßigen Anstieg

+
Bei Hans Crusius gibt es zwei Versionen der „Pille danach“, die unterschiedlich lange nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eine mögliche Schwangerschaft verhindern. Dem Verkauf geht jedoch immer auch eine Beratung voraus.

Stendal. Seit dem 16. März dieses Jahres ist sie rezeptfrei erhältlich. Apotheken verzeichnen jedoch nur eine leicht gestiegene Nachfrage nach der so genannten „Pille danach“.

Je nach Apotheke sind zwei oder drei Präparate erhältlich, von denen eines noch fünf Tage nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eine mögliche Schwangerschaft verhindert.

„Die Nachfrage steigt an, aber nicht in dem Maße, wie wir es erwartet haben“, sagt Annette Lange, Inhaberin der Altmark-Apotheke. Wenn Kundinnen das Medikament nachfragen, seien das „absolute Einzelfälle“. Es handele sich nicht um ein häufig angewandtes Mittel.

„Wir haben einen ganz leichten Anstieg“, sagt Carmen Wodke, pharmazeutisch-kaufmännische Assistentin in der Löwen-Apotheke. „Im Monat kommen zwei oder drei Kunden mehr als vorher“, beschreibt Wodke die Veränderung seit dem rezeptfreien Verkauf, „die Beratung macht immer der Chef“. Apothekeninhaber Hans Crusius hält sich dabei an Vorgaben der Bundes-Apotheken-Kammer. „Wir haben für die Pille danach einen Fragebogen, den wir mit Kunden durchgehen, um Missbrauch vorzubeugen“, so Crusius. Das Präparat „ellaOne“ wirkt noch fünf Tage nach dem Geschlechtsverkehr. Mit dem Mittel „PiDaNa“ kann eine Schwangerschaft noch 72 Stunden nach dem Sex verhindert werden.

In Schwangerenberatungsstellen geht es in Gesprächen nur selten um die „Pille danach“. „Hier in unserer Beratungsstelle gibt es null Nachfragen“, so Petra Kittner von der Schwangerenberatung der Caritas. Auch sei die generelle Zahl der Schwangerschaftsabbrüche „stark rückläufig“. Für einen Schwangerschaftsabbruch bräuchten betroffene Frauen einen Beratungsschein. „Wir bieten zwar Konfliktberatung an, aber es gibt keinen Schein“, sagt Kittner.

Bei Aileen Hilbring von „proFamilia“ sieht es ähnlich aus. „Hier in unserer Beratungsstelle haben wir keine direkten Nachfragen“, so die Sexualpädagogin und Schwangerschaftsberaterin im AZ-Gespräch, „nur bei Schulveranstaltungen kommen vereinzelt Anfragen. „Also von Lehrern, nicht von den Schülern“, stellt Hilbring klar. Die meisten Betroffenen gingen erst zum Frauenarzt. „Die Brücke zur Beratung wird nicht geschlagen“, so Hilbring.

Von Mike Höpfner

Kommentare