DJH-Chef hält Angebot in Stendal für möglich / Kommune positiv gestimmt

Jugendherberge im Blick: „Stadt erst noch erobern“

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Sehenswürdigkeiten und ein Willkommensgruß in mehreren Sprachen zieren seit wenigen Monaten die Fassade der Jugendherberge an der Leiterstraße in Magdeburg. Dort hat auch der Landesverband des Deutschen Jugendherbergswerkes seinen Sitz.

Stendal / Magdeburg. Stendal könnte in absehbarer Zeit eine Jugendherberge bekommen, auch Tangermünde oder Havelberg.

„Zumindest ist es für die weitere Zukunft nicht auszuschließen“, meint Marc Nawrodt, Landesgeschäftsführer des Deutschen Jugendherbergswerkes (DJH) mit Sitz in Magdeburg. Vor einiger Zeit habe jemand aus der Rolandstadt Interesse an einem solchen möglichen Projekt bekundet, sich aber danach nicht mehr gemeldet. „Wir müssen natürlich die Wirtschaftlichkeit im Auge haben. Finden wir ein geeignetes Objekt, muss in der Regel kräftig investiert werden. “ Momentan existiert in der gesamten Altmark keine einzige Unterkunft des DJH.

Nawrodt und Kollegen betreiben in Sachsen-Anhalt 15 Jugendherbergen, außerdem gibt es noch zwei Partnerhäuser. Über das Jahr zählen die Einrichtungen insgesamt um die 285 000 Übernachtungen. Aktuell investiert der Verein in eine frühere Schule in Halle stolze zwölf Millionen Euro. Mitte 2017 soll das Vorzeigeobjekt in der Saalestadt fertig sein. „Wir sind eine gemeinnützige Organisation, müssen aber wie andere auch aufs Geld schauen. Schon deshalb packen wir ungern mehrere Projekte gleichzeitig an oder machen einer Region Versprechen, die wir dann aber doch nicht halten können.“

Nawrodt, ein gebürtiger Thüringer, führt den Landesverband seit gut drei Jahren. „Wir sehen uns nicht unbedingt als Konkurrenz für die handelsüblichen Hotels. Niemand muss Angst vor uns haben“, meint der 39-Jährige. Das DJH erhalte Zuschüsse, sicherlich, aber ansonsten gelten dieselben marktwirtschaftlichen Spielregeln. „Unsere Zielgruppe sind Kitas, die Vorschulkinder und Schulklassen. Zu früher hat sich einiges verändert, wir bieten längst nicht mehr nur Übernachtung und Verpflegung an, wir sind ein außerschulischer Bildungsort. Die Programme sind auf den Lehrplan abgestimmt.“ Keine der 15 Unterkünfte sei wie eine andere, in der Herberge in Wernigerode steht den Bewohnern sogar ein komplettes Tonstudio zur Verfügung.

Der DJH-Chef kennt sich inzwischen auch einigermaßen im Landkreis Stendal aus. „Havelberg hat durch die Bundesgartenschau gewonnen, Tangermünde ist immer eine Reise wert. Stendal kenne ich noch nicht, die Stadt muss ich mir erst noch erobern“, sagt Nawrodt, lacht und schiebt schnell hinterher: „Aber das bitte nicht so verstehen, dass wir morgen oder übermorgen in Stendal aktiv werden. Wenn überhaupt, braucht das Zeit.“

Die Stadt stünde einem solchen Engagement durchaus positiv gegenüber. Klaus Ortmann hat sich umgehört, niemand in der Verwaltung kann sich an eine klassische Jugendherberge in Stendal erinnern. „Im Zusammenhang mit der Neunutzung der Justizvollzugsanstalt hatte es vor einiger Zeit Überlegungen in diese Richtung gegeben. Doch die sind ja nicht mehr aktuell.“ Dass Anfang der 1990er-Jahre auch Herbergspläne für den Färberhof, heute eine Kindertagesstätte, existiert haben sollen, kann der Rathaussprecher so ad hoc nicht bestätigen.

Wenn organisierte Jugendgruppen, Sportklubs oder andere Vereine nach Stendal kommen, habe die Stadt mit 30 Übernachtungsplätzen im Jugend-Freizeit-Zentrum „Mitte“ ein Ass im Ärmel. „Privatleute sehen wir da nicht so gern, alles andere auf Antrag schon. Dieses nicht ständige Angebot hat also zumindest Jugendherbergscharakter – wenn auch ohne Frühstück“, schränkt Ortmann ein und schmunzelt.

Mögen Ostaltmark und Elbe-Havel-Winkel auch noch ohne klassische Jugendherberge und DJH-Aktivitäten sein, völlig frei von ähnlichen Angeboten ist der Landkreis nicht. Als Beispiele seien das Schullandheim im Norden in Klietz und die Ökoscheune des Naturschutzbundes in Buch nahe Tangermünde genannt.

Von Marco Hertzfeld

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