„Durchstarter“-Projekt kümmert sich um Härtefälle

Jobcenter will Langzeitarbeitslose integrieren

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Während die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken ist, habe sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen verfestigt. Mit Projekten wie „Durchstarter – Chancen in der Altmark“ soll dem entgegengewirkt werden.

Stendal. „Die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen ist ein ganz gravierendes Arbeitsfeld“, sagt Dr. Marion Emmer, Geschäftsführerin des Jobcenters im Hinblick auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes.

Die Zahlen der Arbeitslosen im Rolandstädter Jobcenter sanken im Vergleich zum Vorjahresmonat von 6318 auf 6075. Die Zahlen der Langzeitarbeitslosen entwickelten sich ähnlich, sie fielen im gleichen Zeitraum von 2909 auf 2825. Man könne von einer „Verfestigung der Zahlen“ sprechen, so Emmer. „Dass die Zahlen der Langzeitarbeitslosen sinken, liegt sicherlich auch an der demografischen Entwicklung“, so Emmer.

Dr. Marion Emmer

Eine weitere Problematik sei die wachsende Diskrepanz zwischen Bewerbern und gemeldeten Stellen. Über die Hälfte, rund 57 Prozent, der arbeitslosen Bewerber sind lediglich Helfer. Den Großteil der ausgeschriebenen Stellen machen allerdings mit 64 Prozent Fachkräfte aus. Nur 18 Prozent der offenen Stellen sind laut Jobcenter für Helfer geeignet. „Diesem Spagat gerecht zu werden, bedarf sehr individueller Beratung“, berichtet Emmer. Der Anteil an arbeitslosen Ausländern betrage momentan 357 Leistungsbezieher, die meisten von ihnen sind Syrer.

Anja Birkholz, Betriebsakquisiteurin und im Jobcenter zuständig für das Projekt „Durchstarter – Chancen in der Altmark“, berichtete im Anschluss über die geglückte Integration von Langzeitarbeitslosen. „Ein Kunde von uns war ein 58-jähriger Landmaschinenschlosser mit zehn Kindern. Er war seit 2009 arbeitslos. Das war einer meiner ersten Fälle“, berichtet Birkholz. Ihr sei es gelungen, dafür zu sorgen, dass der Landmaschinenschlosser nun als Fahrer einer Seniorentagesstätte unbefristet angestellt sei.

Anja Birkholz

Auch einer alleinerziehenden Verkäuferin konnte Birkholz helfen. „Als Alleinerziehende hat man es auf dem Arbeitsmarkt sowieso schwer, und als Verkäuferin umso mehr“, so die Betriebsakquisiteurin. Die 35-Jährige habe als Quereinsteigerin in einem Optikergeschäft anfangen können, unbefristet. Die zu vermittelnden Kandidaten werden mit einem Coaching auf die Integration in den Arbeitsmarkt vorbereitet. „Dieses Coaching ist ist für beide Seiten verpflichtend, auch für den Arbeitgeber“, so Birkholz. Im Falle der 35-jährigen Verkäuferin sei es besonders wichtig gewesen, „dass auch zu Hause die notwendige Unterstützung erfolgt“. Auch einen 36-jährigen Koch, Vater von fünf Kindern, konnte das Jobcenter in den Arbeitsmarkt integrieren. „Er ist für zwei Jahre als Produktionsmitarbeiter für Backwaren eingestellt und erwartet sein sechstes Kind.“ Insgesamt 40 Kunden des Jobcenters sollen bis Juli 2017 wieder eine Arbeit finden, so Birkholz’ Plan.

Von Mike Höpfner

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