Sven Engel führt als Brandinspektor Feuerwehr in brenzliger Situation

„Ist eine Pflichtaufgabe und keine Spielerei“

Ein Brandinspektor erhält die passenden Schulterstücke. Sven Engel hat Gardemaß. Für Kreisbrandmeister Dr. Ringhard Friedrich (l.) und Bürgermeister Nico Schulz geht Osterburgs Wehrleiter bei der jährlichen Hauptversammlung ein Stück weit in die Knie.

Osterburg. Osterburgs Feuerwehr hat große Sorgen, auch deshalb kann ein frischgebackener Brandinspektor an der Spitze nur nützlich sein. Wehrleiter Sven Engel darf sich seit dem Wochenende mit neuen Schulterstücken zeigen.

Der Familienvater engagiert sich seit 30 Jahren im Brandschutz und hat die nötigen Lehrgänge für den höheren Rang absolviert. Ein Brandinspektor sei vergleichbar mit einem Major bei der Bundeswehr, meint Bürgermeister Nico Schulz, selbst Hauptmann der Reserve, mit Augenzwinkern. „Damit hat Sven mir was zu sagen, steht über mir, aber bitte nur hier, bei der Versammlung. “.

Wenn es um Sorgen geht, braucht niemand lange überlegen: Mit gerade einmal 49 aktiven Mitgliedern ist die Personaldecke zu dünn, zumal nicht alle gleich um die Ecke arbeiten. Selbst in der Kernstadt der Einheitsgemeinde sei die volle Einsatzbereitschaft in Zugstärke tagsüber nicht ständig gesichert. Von den Dörfern ganz zu schweigen, dort muss die Stadtwehr immer häufiger aushelfen. Es sollte dringend etwas passieren, betont Engel. Der Fuhrpark der Osterburger sei zwar einsatztaktisch ausgereift, doch müsse das 24 Jahre alte Löschgruppenfahrzeug (LF) 16-TS unbedingt durch ein LF 20 ersetzt werden. Es ist an diesem Abend Ingo Fabisch, der ein Stück weit zufriedener macht. Der Vorsitzende des Fördervereins kündigt einen neuen Einsatzleitwagen an. Über Jahre gesammelte Spenden machen den Kauf möglich.

Arneburger Karsten Rottstädt unterstreicht, wie wichtig die sogenannte Feuerwehrsteuer für die Gemeinden in Sachsen-Anhalt wäre. Womöglich könne die Steuer ab der nächsten Legislaturperiode wieder direkt für den Brandschutz ausgegeben werden und lande nicht weiter im allgemeinen Haushalt, so der stellvertretende Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbandes. Jedenfalls seien aus dem Innenministerium entsprechende Signale gekommen, sogar von einem regelrechten Investitionsprogramm sei die Rede.

Bürgermeister Schulz dürfte das gern hören, zeigen die längst fällig gewesene Risikoanalyse und der Bedarfsplan doch einen erheblichen Investitionsstau für die Einheitsgemeinde auf. „Feuerwehr ist eine Pflichtaufgabe und keine Spielerei.“ Auch müssten sich sicherlich Strukturen in kleineren Ortschaften ändern. Um in Zukunft mehr Menschen für die Feuerwehr zu begeistern, sollten die Kontakte zu Grundschulen und Tagesstätten ausgebaut werden. Kinder- und Jugendwehr wünschen sich weitere Mitglieder. Zudem könnten Flüchtlinge mit gutem Deutsch im Brandschutz mitwirken. Ein junger Syrer wolle schon bald ein zweiwöchiges Schülerpraktikum im Gerätehaus absolvieren, ein Anfang.

Von Marco Hertzfeld

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