„Abgasbremse“ soll Qualm fernhalten

Integrative Kita direkt neben einem Parkplatz: „Abgase kommen auf das Gelände“

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Mehrere Schilder weisen bereits seit zwei Jahren am Kita-Zaun daraufhin, dass Autos vorwärts eingeparkt werden sollen, um die Knirpse nicht mit Abgaswolken zu belasten. Dennoch halten sich nur wenige Bürger an diese Aufforderung.

Stendal. Rutsche, Schaukel, Sandfläche, Tretautos – die Außenanlage der integrativen Kita lässt kaum Kinderwünsche offen. Dennoch hat die Einrichtung der Lebenshilfe an der Pastor-Niemöller-Straße ein Problem.

Denn die Außenanlagen grenzen direkt an Parkplätze der Anne-Frank-Straße. Spielende Kinder und startende Autos sind nur durch einen Zaun getrennt. Die dort herumtollenden Knirpse sind mehrmals täglich diesen Abgaswolken ausgesetzt. Daher will die Kita eine so genannte „Abgasbremse“, also eine Art Vorhang am Zaun anbringen.

„Die Abgase kommen direkt auf das Gelände und wir haben uns gefragt, was wir tun können“, sagt Matthias Kuhn, Mitglied des Elternkuratoriums. Bereits seit zwei Jahren wird mit Schildern entlang des Zaunes darum gebeten, dass die Fahrzeuge vorwärts eingeparkt werden. Doch an der Situation hat sich kaum etwas geändert. Dass die Schilder wenig bewirken würden, sei den Eltern von vornherein klar gewesen. „Die Schilder haben ihren pädagogischen Zweck nicht erfüllt“, konstatiert Kuhn, „ein Parkverbot wäre nicht zielführend. Wir als Eltern appellieren an die Einsicht der Autofahrer.“

Daher soll in den nächsten Wochen zusätzlich zu den Schildern eine „Abgasbremse“ geschaffen werden. Der Abgasschutz wird etwa 90 Zentimeter hoch sein und sich auf die gesamte Länge des Zauns von rund 80 Metern erstrecken.

Nach der Fertigstellung werden die Kinder die „Abgasbremse“ dann bemalen.

Vom Prinzip ist dies eine simple und relativ kostengünstige Sache. Dennoch hat es gut zwei Jahre gedauert, bis auch dies endlich in die Realität umgesetzt werden kann. Der Dank des Elternkuratoriums und der Kita-Leitung gilt in diesem Fall der Stendaler Wohnungsbaugesellschaft (SWG), die nicht nur Vermieter der integrativen Einrichtung ist, sondern dieses Vorhaben finanziell unterstützt. „Dass manche Menschen gerade in Bezug auf Kinder keine Rücksicht nehmen, finde ich unverfroren“, ärgert sich SWG-Chef Daniel Jircik.

„Wir Eltern können uns glücklich schätzen, dass es in Stendal viele Unternehmen und Personen gibt, die ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Kinder haben“, freut sich Kuhn. Denn ohne die Unterstützung engagierter Mitmenschen sei selbst eine simple „Abgasbremse“ offenbar nur schwer möglich. „Der Zaun wird auch nicht komplett dicht gemacht“, stellt Kuhn klar, „wir wollen uns hier nicht einigeln.“ Aber die Vorrichtung solle zumindest einen gewissen Teil der Abgase zurückhalten. „Es geht uns nicht um finanzielle Beträge. Wir wollen signalisieren, dass uns die Kita wichtig ist“, bringt SWG-Chef Daniel Jircik seine Unterstützung auf den Punkt.

Von Mike Höpfner

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