Mehr beantragte kleine Waffenscheine im Januar 2016 als in den letzten drei Jahren zusammen

Immer mehr Waffen m Kreis Stendal im Umlauf

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Für das Führen einer solchen Schreckschusswaffe ist ein kleiner Waffenschein erforderlich. Im Landkreis Stendal haben allein im Januar 2016 mehr Menschen einen solchen Schein beantragt als in den vergangenen drei Jahren zusammen.

Stendal. Die Anzahl der beantragten kleinen Waffenscheine im Landkreis Stendal hat zu Beginn des Jahres noch einmal drastisch zugenommen. Das geht aus einer Auflistung des Landkreises hervor.

Demzufolge wurde der kleine Waffenschein allein im Januar 2016 insgesamt 66 Mal beantragt. Das ist mehr als in den vergangenen drei Jahren zusammen. Der kleine Waffenschein wird zum Führen von Schreckschuss- oder Reizgas- und Signalwaffen in der Öffentlichkeit benötigt.

„Alle Waffenbesitzer haben bei Beantragung einer Waffenbesitzkarte einen Waffenschrank in der erforderlichen Sicherheitsstufe nachzuweisen“, informiert Angela Vogel, Sprecherin des Landkreises, auf AZ-Anfrage, „diese werden von den Mitarbeitern der Waffenbehörde überprüft“. Im Jahr 2015 seien rund 60 Kontrollen, zum größten Teil unangemeldet, organisiert worden. Als Grund für den Bedarf, eine Schreckschusswaffe führen zu wollen, gäben die meisten Bürger die „eigene Sicherheit“ an. Von den 243 kleinen Waffenscheinen wurden 23 von Frauen beantragt.

Ein erhöhter Bedarf ist auch dem Stendaler Waffenhändler Jörg Werthe nicht verborgen geblieben. „Wir können nur noch schlecht liefern“, so Werthe, „für alles, was frei verkäuflich ist, gibt es eine rege Nachfrage. Von einem „Waffenausverkauf“ könne jedoch nicht gesprochen werden. Längere Lieferzeiten verzeichnet Werthe auch bei Reizgaswaffen. „Da gibt es hier und da Engpässe, weil die Lieferanten im Umgang mit Reizgas bestimmte Bedingungen erfüllen müssen“, so der Inhaber des Waffengeschäfts. „Es gibt natürlich auch saiso-nale Unterschiede beim Verkauf solcher Waffen, aber die Nachfrage ist deutlich gestiegen.“ Nach den Gründen, warum Kunden Schreckschuss- oder Reizgaswaffen verlangen, frage Werthe nicht.

Voraussetzungen für eine Erlaubnis sind laut Waffengesetz die Vollendung des 18. Lebensjahres, die erforderliche Zuverlässigkeit sowie Sachkunde und ein nachgewiesenes Bedürfnis. Bei den Arten von Waffenscheinen gibt es laut Angela Vogel drei Unterscheidungen. Zum einen gibt es die Waffenbesitzkarte. Diese sei für Jäger, Sportschützen und Sammler gedacht. Darauf folgt die kleine Waffenbesitzkarte, etwa für Schreckschusspistolen. Der große Waffenschein berechtigt zum Umgang mit scharfen Waffen und sei daher der Polizei, zugelassenem Wachschutz oder gefährdeten Personen vorbehalten. Insgesamt gibt es im Landkreis 1720 registrierte Waffenbesitzer. Diese teilen unter sich 7758 einzelne Waffen auf. Der größte Anteil entfällt auf 1118 Jäger mit 5277 Waffen. Dahinter folgen 550 Sportschützen mit 2309 Waffen. Den Rest machen Sammler und Privatleute aus.

Von Mike Höpfner

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