Suchtberatung der Caritas verzeichnet einen Anstieg an Beratungsgesprächen

Immer mehr greifen zu Crystal

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Einen Anstieg von Crystal Meth-Konsumenten verzeichnet die Sucht- und Drogenberatung der Stendaler Caritas. Die aktuelle Situation sei noch nicht besorgniserregend, aber die Augen sollten vor dieser Problematik nicht verschlossen werden.

Stendal. Die Zahl der Menschen, die mit der Modedroge Crystal Meth in Berührung kommen, steigt weiter an. Mittlerweile hat das Rauschgift auch die Rolandstadt erreicht. „Die Zahl steigt weiter an.

Vor drei oder vier Jahren kam so gut wie kein Mensch“, berichtet Grit Franzke, bei der Caritas in Stendal für Sucht- und Drogenberatung zuständig. Momentan erhält sie für Osterburg und Stendal etwa ein bis zwei Anrufe im Monat.

Das Klientel der Crystal-Konsumenten setze sich vorrangig aus jüngeren Menschen zusammen. Für eine weiter reichende Studie lägen jedoch noch zu wenige Informationen vor.

„Die Betroffenen kommen hierhin und suchen das Gespräch“, so Franzke gegenüber der AZ. Teilweise erhalte sie auch Anrufe von besorgten Eltern, die befürchten, dass der Sprössling zu der Modedroge gegriffen haben könnte. „Crystal Meth hat eben etwas Erschreckendes“, so die Suchtberaterin. Vor einer möglichen Entgiftung oder langfristigen Therapie stehe jedoch die Bestandsaufnahme. „Einer Therapie geht immer auch eine Motivationsphase voraus“, erklärt Franzke. Ein Konsument, der zum Gespräch bereit ist, sei nicht in jedem Fall von Beginn an zu einer Therapie bereit.

Nach einem Gespräch sei zunächst eine Entgiftung ratsam, danach könne in einer entsprechenden Einrichtung mit der Langzeit-Therapie begonnen werden. Das langfristige Ziel, ohne die Droge leben zu können, müsse erst entwickelt werden.

Was Crystal Meth von anderen Amphetaminen oder auch Opiaten unterscheidet, ist, dass das Verhalten von Konsumenten von einem Moment zum anderen schwanken kann. „Die Klientel kommt ganz normal in die Beratung. Aber das Gespräch kann schnell eskalieren“, weist Grit Franzke auf die spezifischen Nebenwirkungen von Crystal Meth hin. Reaktionen, ob verbaler oder physischer Natur, seien unvorhersehbar.

Aber Franzke warnt vor einer Dramatisierung der aktuellen Sachlage: „Es hält sich momentan noch in Grenzen.“ Personell könnten Drogen- und Suchtberatungsstellen in der Region den Zustrom Crystal Meth-Konsumenten gut bewältigen. „Die Augen vor dieser Problematik zu verschließen, wäre falsch“, resümiert die Caritas-Mitarbeiterin.

Von Mike Höpfner

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