Albaner Indrit will sich ein Leben in Deutschland aufbauen – mit wenig Hoffnung

„Ich danke für alles“

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Albaner Indrit (27) in seiner Unterkunft in Stendal. Noch läuft sein Aufnahmeverfahren.

Stendal. Wie es mit Indrits Leben weitergeht, steht in den Sternen. Indrit ist Albaner, derzeit läuft sein Asylverfahren, und es sieht schlecht aus für ihn. Er weiß das, und es klingt etwas resigniert, wenn er sagt: „Wenn die Ablehnung kommt, akzeptiere ich das. “.

Indrit redet kein perfektes Deutsch, aber er lernt es auch erst seit einem halben Jahr – seit er in Deutschland ist. Er ist 27 Jahre alt, Lachfalten, braune Augen, freundlich. Er hat in Albanien sein Abitur gemacht, dann einen Bachelor in Jura – und fand in seinem Heimatland keine Perspektive fürs Leben. „Wenn man nicht die richtige Partei unterstützt, muss man für Jobs viel Geld bezahlen“ sagt er. An mehreren solcher Beispiele beschreibt er grassierende Korruption in Albanien, die vielen Menschen im Wege steht. „Viele Probleme, sehr große Probleme“ hätten die Menschen damit. Er kam nach Deutschland auf der Suche nach Arbeit oder einer weiteren Ausbildung als Jurist, als Asylbewerber.

Wer nicht aus einem vom Krieg vernarbten Land kommt, hat aber kaum Chancen auf eine Aufenthaltsgenehmigung. Indrit kennt die Bilder aus den Kriegsgebieten, er weiß, dass der Landkreis Stendal einen riesigen Andrang an Asylbewerbern aus Kriegsgebieten zu bewältigen hat. „Ich verstehe es, dass man Asyl meistens nur denen gibt, bei denen Krieg herrscht“, sagt er. Aber er wirbt für sich, er glaubt, dass er dennoch etwas leisten könnte in Deutschland. Vielleicht könnte er Assistenzanwalt sein, wenn er die deutsche Sprache beherrscht. Er könnte sein Studium vertiefen oder Deutsch lehren oder Albanisch. Derzeit übersetzt er immer wieder für albanische Asylbewerber im Krankenhaus, ehrenamtlich, um sich nützlich zu machen. Wirklich arbeiten darf er aber nicht.

Indrit wird unterstützt von Michael Link, einem Stendaler Rentner, der versucht, Asylbewerbern bei den täglichen Problemen zur Hand zu gehen. Link würden viele als Idealisten bezeichnen, das weiß er. Er sagt: „Ich will die Willkommenskultur unterstützen. Man sagt immer, man könne diejenigen, die aus sogenannten sicheren Ländern kommen, nicht aufnehmen. Aber die Hilfe in Deutschland muss nicht nur abhängig sein vom Staat und Geld. Sie kann auch von der Bevölkerung getragen werden. Wenn nur jeder zehnte Bundesbürger eine Patenschaft übernehmen würde, könnten wir viel mehr Menschen helfen.“

In den vergangenen Wochen hat Link viel Kontakt gehabt zu einer weiteren Familie aus Albanien. Er hat sie beraten, so er es konnte. Bis Dienstagmorgen. Dann wurde die Familie abgeschoben, zusammen mit fünf weiteren Familien, die zum Teil in der Gemeinschaftsunterkunft oder in Wohnungen in Stadtsee lebten. Nachbarn hatten etwa 20 Polizisten in Schutzkleidung beobachtet. Link wollte eigentlich noch mit ihnen zum Arzt, es hatte einen Termin wegen einer kleinen Augen-OP gegeben. Der Landkreis bestätigte der AZ den Einsatz, zusammen mit weiteren albanischen Familien seien sie am Dienstag nach Tirana geflogen worden.

Indrit befürchtet dasselbe Schicksal. „Wenn ich abgelehnt werde, dann werde ich selbst gehen“, meint er. Er sagt das gefasst und sachlich, aber auch traurig. Deutschland wird ihm vermutlich nicht die Hoffnung auf ein besseres Leben erfüllen. Seine Sachen sind schnell gepackt, viel hat er aus seiner Heimatstadt Tirana nicht mitgenommen.

Aber er ist versöhnlich: „Auch wenn ich zurück muss: Ich danke für alles, was ich hier gelernt habe. Was ich gesehen habe, wie das Leben ist und das Recht. So etwas gibt es in Albanien nicht.“

Von Kai Hasse

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