Krux: Welpen dürfen verschenkt werden / Bislang zwei Verstöße bekannt / Stadt für Prüfung

Hundegesetz ein zahnloser Tiger: „Kampfhunde“ stehen am Pranger

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Beim Maulkorb soll es nicht bleiben. Sogenannte Kampfhunde stehen am Pranger.

Stendal. Für Stendal sind bislang zwei Verstöße bekannt. Wer es nicht gut mit Pitbull-Terrier, American Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier und Bullterrier meint, muss das verschärfte Hundegesetz des Landes für einen ziemlich zahnlosen Tiger halten.

Das Zucht-, Vermehrungs- und Handelsverbot für diese Tiere sowie deren Kreuzungen untereinander oder mit Hunden anderer Rassen gilt seit März. Das Regelwerk sei ungemein schwierig kontrollier- und durchsetzbar, da die Beweisführung so gut wie unmöglich sei, meint Stadtsprecherin Sandra Slusarek. Und was Fachleute schon von Anfang an wussten und kritisierten: „Das Verschenken von Welpen ist nicht verboten“, eine Hintertür.

Einmal sei ein Tier verkauft worden und einmal handelte es sich um eine – angeblich ungewollte – Vermehrung. „Im Fall des Verkaufs wurde ein Bußgeld wegen des Verstoßes gegen das Handelsverbot erlassen. Der andere Fall befindet sich derzeit noch in der Bearbeitung“, weiß Slusarek nach Rücksprache mit der zuständigen Kollegin. Noch einmal: Die Haltung eines sogenannten Kampfhundes ist nicht verboten. Wenn ein Welpe bei der Ordnungsbehörde angemeldet wird, werde nach dessen Herkunft gefragt. Doch wie gesagt: Das Verschenken ist erlaubt.

„Kampfhunde“ stehen am Pranger. Die neuen Regelungen sind umstritten. Befürworter verweisen auf mehrere Beißattacken, bei denen Menschen und/oder andere Hunde zu Schaden kamen. Bestimmte Rassen könnten ganz von der Bildfläche verschwinden. „Das ist sicherlich das Ziel des Gesetzgebers. Aber mit dem derzeitigen Zucht-, Vermehrungs- und Handelsverbot wird aus unserer Sicht nichts erreicht. Dann bedarf es eines generellen Haltungsverbotes für diese Rassen.“ Aktuell sind laut Slusarek 2937 Hunde in Stendal angemeldet, inklusive Ortsteile. Davon gehören 50 Tiere zu den Vermutungshunden, wie diese in Amtsdeutsch heißen, sowie deren Kreuzungen.

In den vergangenen sechs Jahren hat es 64 angezeigte Beißvorfälle in der Einheitsgemeinde gegeben. Zehn Prozent der Attacken gehen auf das Konto von Pittbull, Bullterrier & Co. Häufiger seien Schäferhunde und Schäferhund-Mischlinge die Beißer. Für bundesweites Aufsehen sorgte der Angriff eines American Bulldog auf ein Kind in Stadtsee 2006 und die darauffolgende Entrüstung einiger Bürger, weil das Tier von der Polizei erschossen wurde. Slusarek: „Dieses Jahr wurden bisher zwei Hunde aufgrund eines Beißvorfalls als gefährlich festgestellt. Dabei handelt es sich um einen Altdeutschen Schäferhund und um einen Siberian Husky.“

Weil das Zucht-, Vermehrungs- und Handelsverbot der Vermutungshunde nur schwer zu kontrollieren sei, geschweige denn durchzusetzen, sollte es wieder aufgehoben werden, heißt es aus dem zuständigen Sachgebiet der Hansestadt. Zudem sollte die Rasseliste insgesamt abgeschafft werden. Wichtiger wäre die Einführung eines Hundeführerscheins, verbunden mit einer Sachkundeprüfung, für alle Hundehalter in Sachsen-Anhalt.

Von Marco Hertzfeld

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