Hoffnung nach erstem Frust

Janine und Thomas Rösicke: Ihr neues Leben nach einem schweren Unfall

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Janine und Thomas Rösicke in ihrem Wohnzimmer. Am vergangenen Wochenende schmückten sie den Baum.

Stendal. Zuspruch, Spenden, alltägliche Hilfe. Die Rösickes können sich über enorme Anteilname der Stendaler freuen. Sie versuchen, „in die Normalität zurückzufinden“, sagt sie. Das wird weiter schwer sein. Wie ihnen geholfen wird, macht aber Hoffnung.

Das junge Ehepaar hat einen harten Schlag hinter sich: Im Sommer hatte Thomas einen schweren Unfall und ist seitdem querschnittsgelähmt – kurz nachdem beide sich ein Haus in Stendal gekauft und eingerichtet hatten (AZ berichtete). Das nahmen sie mit Fassung und bissigem Lebensmut: „Ich bin so stark! Du bist so stark! Gemeinsam schaffen wir das!“, hatte er zu seiner Frau Janine gesagt.

Nachdem sie öffentlich über ihr Schicksal berichteten, trudelten Hilfsangebote ein: Der „Urvater“ des Magdeburger „Handbikens“, Peter Fuhrmann, will den sportbegeisterten Thomas trainieren, damit der bei einem Marathon im nächsten Jahr teilnehmen kann, die Sportgruppe Haeder in Stendal hat sich gemeldet, unter Kollegen und beim Tanzverein „TV Popcorn“ wurde gesammelt, bis ein fünfstelliger Betrag auf dem Spendenkonto war. Im Gespräch mit der AZ bedankt sie sich mehrmals übersprudelnd bei allen, die geholfen haben.

Den Alltag müssen Janine und Thomas Rösicke noch meistern. Er ist in der Reha und kommt gelegentlich nach Hause. Bei einem ersten Besuch war das noch etwas frustrierend, berichtet sie: „Wir brauchten Hilfe beim Hereinkommen ins Haus, das Setzen auf die Couch war schwierig. Und nach dem Essen konnte er nicht mit abräumen und hat sich geärgert, dass ich das machen musste.“ An viele kleine Hindernisse müssen sie sich gewöhnen. Phasenweise habe er sich „verkrochen“ und gehadert, und sie musste achtgeben, dass sich auch mal Dinge um sie drehen.

„Wir müssen lernen, normal damit umzugehen“, sagt sie. Aber erste Hürden im Alltag sind geschafft. Am Hauseingang liegen zwei Bohlen als Rampe, er schafft kleine Stufen selbst, Teller legt er sich auf den Schoß und bringt sie in die Küche. „Es geht aufwärts“, sagt sie. Wenn er an Weihnachten aus der Reha zu ihr kommt, dann werden sie feiern. In ihrem Haus, am gemeinsam geschmückten Baum.

Von Kai Hasse

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