„Hilferuf“ aus der Stendaler Rettungsleitstelle / Mitarbeiterin zieht vor Gericht

Ausgebrannt bei der 112

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Gerade zur Zusammenlegung der Leitstellen der Altmark habe es laut der Mitarbeiter hohe Belastungen gegeben.

Altmark. Wer die 112 wählt, ist in Not. Er erwartet, dass ihm schnell und kompetent geholfen werden kann. Und er erwartet Motivation und Befähigung der Menschen am rettenden Ende der Leitung.

Aus dem Kreis dieser Mitarbeiter der Rettungsleitstelle gab es gestern nun einen Hilferuf vor dem Arbeitsgericht: zu hohe Belastung, wenig Pausen, hoher Krankenstand. Eine Mitarbeiterin mahnte die Fürsorgepflicht des Landkreises an.

Die Klägerin Beatrix F. wirft dem Landkreis vor, dass die Wochenarbeitszeit überschritten wird. Es gibt vom Landkreis eine Einteilung in zwei Drittel der Zeit im tatsächlichen Telefondienst und ein Drittel erholsamerer Bereitschaft, verteilt auf zwölf Stunden Schicht. Nach Tarif ist das so auch reguliert, wie Richter Dirk Wolandt festhielt. Die Klägerin meint, dass die Einteilung des Landkreises über Bereitschaft und Telefondienst falsch sei. „Ruhige“ Bereitschaft gebe es weniger und keinen Raum in Abruf-Nähe, sodass Mitarbeiter sich während der Bereitschaft nicht entspannen können. Beweisen konnte die Mitarbeiterin das aber nicht.

Kläger-Anwalt Sandro Wulf meinte: „Dies ist ein Hilferuf der Mitarbeiter der Rettungsleitstelle.“ Die Klägerin beschrieb Anrufe mit Sprachbarriere wegen ausländischer Notleidender, generell mehr Anrufe als zu der Zeit, als die Rettungsleitstellen der Altmarkkreise noch getrennt waren. Und telefonische Reanimation: „Bis der Rettungsdienst vor Ort ist, vergehen auf dem Land schon mal 20 Minuten. Wir müssen den Leuten dann den Takt vorgeben, wie sie reanimieren, wie sie den Puls messen und beruhigen, wenn jemand im Hintergrund in Panik schreit.“ Ihr Anwalt: „Diese Arbeit entscheidet über Leben und Tod.“ Und das zu einem Monatslohn von 1900 Euro brutto. „Der Arbeitgeber hat sich nie die Mühe gemacht, bei uns zu hospitieren um zu sehen, was wir machen“, sagt F.. Es gäbe Burn-out in der Stelle, einen generell hohen Krankenstand oder Mitarbeiter suchen sich schließlich einen anderen Job.

Auch der Leiter des Kreis-Ordnungsamtes, Michael Schneider, räumte ein, dass die Arbeit speziell zur Zeit der Zusammenlegung der altmärkischen Leitstellen hart war. Es gäbe aber auch bereits Bemühungen, die Situation zu verbessern. Der Landkreis-Anwalt aber beharrte auf einer Entscheidung des Gerichtes. Ein „juristisches Wegducken“ vor dem eigentlichen Problem, wie Klage-Anwalt Wulf einordnete. Er stellte zunächst keinen Antrag – die Parteien werden sich vor Gericht nochmals sehen.

Von Kai Hasse

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