Die Alkaraks starten nach langer Trennung in ein neues Leben

Heimflug nach dem Putsch

+
Noor, Maher, Aya und Maha Alkarak (v.l.) sind seit einer knappen Woche wieder vereint. Nachdem der Vater lange in Grobleben gewohnt hatte, haben sie nun eine Wohnung in Stendal.

Stendal/Grobleben. Ein kurzes Zeitfenster von nur 24 Stunden hatten Maha, Aya und Noor Alkarak Zeit, um einen Flug nach Berlin ab Istanbul zu erwischen.

Am 30. April berichtete die AZ über Maher Alkarak.

Am Tag ihrer geplanten Zusammenführung mit Vater Maher sperrte das putschende Militär den Flughafen, etwas später blockierte dann die triumphierende Erdogan-Regierung nochmals den Flughafen. Aber sie haben es geschafft. Sie sind vereint. Maher, den die AZ vor kurzem porträtierte, hat seine Familie wieder. Maha, 37, ist eine schüchtern und gutherzig wirkende Frau. Die letzten Tage stecken ihr noch in den Knochen. In den zehn Monaten, die sie ihren Mann nicht gesehen hatte, lebte sie in der Türkei. Niemand wusste, wann die Familie würde nachkommen können. Nun hat sie sich ausgeruht. Sie musste lange, lange schlafen, erzählt ihr Mann. „Deutschland ist grün und schön, und die Menschen sind sehr lieb“, meint sie. Aber sie hat auch Angst vor einigen Wenigen, die sie wegen ihres „Hijab“, des Kopftuchs, unfreundlich ansehen. Aber sie weiß: Die haben auch Angst. Und es sind Wenige. Die meisten Menschen seien freundlich. Und sie mögen die Kinder. Mit denen war die Familie vor kurzem im Jobcenter. Eines der Mädchen sagte der Sachbearbeiterin mit kindlicher Direktheit, dass sie wunderschöne Augen habe. Das trifft die Menschen ins Herz.

Maha will arbeiten: „Wir müssen neu anfangen. Wir haben viel verloren. Ich will mit für unsere Kinder sorgen.“ In Syrien hat sie Wirtschaft studiert und im Bewässerungsmanagement gearbeitet. Wenn sie von Syrien erzählt, tränen ihr die Augen. Sie hat den Putsch in der Türkei noch am Rande erlebt. Sie warnt vor gewaltsamen Revolten. „Tut es nicht“, sagt sie, „der Preis ist zu hoch“. Das sagt eine, die aus Syrien kommt, deren Vater von einer Bombe getötet wurde, die die Welt um sich herum nicht mehr verstehen konnte, weil sie verrückt geworden ist.

Maher, der Vater, war im vergangenen Jahr in Klietz angekommen, lebte dann lange bei Familie Knoblauch in Grobleben. Er nahm Lieder auf, damit Kinder die deutsche Sprache lernen können. Seine Mädchen, Noor und Aya, haben auf der Fahrt von Tempelhof das bekannte Kinderlied „Grün, grün, grün sind alle meine Kleider“ gesungen. Sie haben erste deutsche Brocken schon in der Türkei gelernt. Danach gab es Burger im Schnellrestaurant. Noor bat ihre Mama: „Kneif mich. Ich träum doch.“ Und Aya sagte zum Vater, wie lang die Zeit der Trennung war, und wie schön, zusammen zu sein. Der Weg ging nach Stendal. Dort hat Maher nun eine Wohnung gefunden.

Man rückt noch die Möbel. Es ist noch viel zu tun. Die Familie fängt gerade erst an mit ihrem neuen Leben.

Von Kai Hasse

Kommentare