Neue Idee kommt an / Dr. Salam Ajami spricht vier Sprachen und betreut auch Flüchtlinge in Klietz

Der Hausarzt im Seniorenzentrum

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Dr. Salam Ajami behandelt in seiner Praxis im DRK-Betreuungs- und Seniorenzentrum momentan größtenteils ältere Mitbürger. Aber der gebürtige Libanese ist sich sicher, dass auch die Zahl der Flüchtlinge in der Sprechstunde steigen wird.

Stendal. Geboren im Libanon, in Russland aufgewachsen und zur Schule gegangen –danach machte er Station in Australien. Vier Sprachen spricht er fließend: deutsch, englisch, arabisch und russisch.

Seit 2003 lebt er in Deutschland und seit der vergangenen Woche ist Dr. Salam Ajami ein weiterer Hausarzt in Stendal. Seine Praxis befindet sich an einer neuralgischen Stelle, inmitten des DRK-Betreuungs- und Seniorenzentrums „Am Schwanenteich“. Dort freuen sich zurzeit insbesondere die älteren Menschen über eine medizinische Fachkraft im Haus.

„Vor allem für die Menschen, die schon 80 oder 85 Jahre alt sind, ist es wichtig, einen Internisten in der Nähe zu haben“, sagt Ajami im AZ-Gespräch. Ein erklärtes Ziel des DRK ist es, dass ambulante und stationäre Behandlung stärker zusammenwachsen. „Die demografische Entwicklung sagt einige Schwierigkeiten voraus“, so Thomas Legde, Vorstandsmitglied des DRK-Kreisverbandes „Östliche Altmark“, „diese Praxis ist ein wesentlicher Bestandteil, um auch die Selbstständigkeit der älteren Menschen zu erhalten. Die Bewohner hier sind dankbar und konnten es kaum erwarten, dass ein Arzt hier einzieht.“

„Man kann durch die schnelle Versorgung vor Ort oft auch einen eventuellen Krankenhausaufenthalt umgehen“, fügt Ajami hinzu. In der näheren Umgebung rund um den Schwanenteich gebe es außer Dr. Jörg Förster keine weiteren Hausärzte, die sich um die medizinischen Belange der Menschen kümmern können.

„Die meisten Patienten kommen aus der näheren Umgebung.“ Das Konzept für eine Arztpraxis mitten im Seniorenzentrum existiert bereits seit 2013. „Nachdem wir seinerzeit einen positiven Eindruck voneinander bekommen hatten, haben wir uns im Anschluss um die konkrete Planung gekümmert“, so Ajami zu der Vorgeschichte der Praxiseröffnung. Es sei „keine Spontanentscheidung“ gewesen, bestätigt auch Thomas Legde. Doch auf Salam Ajami warten nicht nur Patienten im hohen Alter.

Der Mediziner arbeitet neben seiner Praxistätigkeit auch auf Teilzeitbasis in der Landesaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge in Klietz. Dort helfen ihm vor allem seine arabischen Sprachkenntnisse. Auch in seiner Praxis konnte er diese bereits knapp eine Woche nach der Eröffnung umsetzen. „Ich hatte bereits zwei Patienten, mit denen ich mich auf Arabisch unterhalten habe.“ Sogar sechs Patienten, die sich mit ihm in russischer Sprache verständigt haben, seien bereits in der Sprechstunde gewesen. „Ich bin mir zu 90 Prozent sicher, dass im Laufe dieses Jahres auch mehr Flüchtlinge zu mir in die Praxis kommen“, so der Mediziner. Sein breit gefächerter, kultureller Hintergrund unterstütze ihn dabei, sich mit Asylsuchenden auseinanderzusetzen. „Stendal ist jetzt schon multikulturell. Da sind meine Erfahrungen sehr nützlich“, so Salam Ajami. Als Mitarbeiterinnen stehen ihm in seiner Praxis zum einen die Gattin, Ghada Ajami, sowie Karola Hack zur Seite.

Von Mike Höpfner

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