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„Treibjagd“: Hardy Güssau und die Rolle der Presse

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Hardy Güssau ist momentan im Fokus der Medien.

„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache – auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazu gehört.“

Diesen Satz hat Hanns Joachim „Hajo“ Friedrichs, Journalist und zuletzt Moderator der „Tagesthemen“, formuliert. Und damit hat er gemeint, dass die Distanz zum Gegenstand der Berichterstattung nicht verlorengehen darf.

„Pressemedien sollen Interessenlagen transparent machen, aber nicht richten“, so deutet beispielsweise Dr. Henning Richter-Mendau diesen Satz. Der Stendaler Frauenarzt ist Christdemokrat. Er spricht von dem Objektivitätsprinzip, das die allermeisten deutschen Journalisten hätten, im Fall des arg unter Druck geratenen Landtagspräsidenten Hardy Peter Güssau aber von einer „Treibjagd“. Formulierungen würden aus dem Gesamtzusammenhang gerissen und mit persönlichen Mutmaßungen versehen. Was da gerade laufe, sei eine regelrechte „Kampagne“ und die Aussage Reiner Instenbergs (Fraktionsvorsitzender SPD-Ortsverein Stendal), die CDU würde einer Mafia-Gruppe angehören, sei „eine unverschämte verbale Entgleisung“, der sich die Pressevertreter auch noch „bedienen“.

Dr. Richter-Mendau vermisst die Distanz der Presse, die Balance zwischen Neutralität und Meinung. Er glaubt, dass hier „subjektive persönliche Positionen vertreten werden“.

Verliert Güssau, dem vorgeworfen wird versucht zu haben, die Stendaler Wahlaffäre zu vertuschen und eine Wiederholungswahl abzuwenden, sein Amt, weil die Vertrauensbasis schwindet? Möglich.

Wenn Güssau sagt, er habe sich nichts vorzuwerfen und der Ältestenrat am Montag zusammenkommt, um die Vorgänge und Güssaus Antworten auf 14 offene Fragen zu bewerten, dann bleibt das Ergebnis unvoreingenommen abzuwarten. Das ist die „Distanz zum Gegenstand der Berichterstattung“, die „Hajo“ Friedrichs meint und die so ungeheuer wichtig ist. Journalisten haben objektiv zu sein, sonst ist ihre Glaubwürdigkeit ganz schnell dahin. Sie haben neutral zu sein – für Meinungen ist das stilistische Mittel „Kommentar“ da.

Natürlich ist es Aufgabe der Presse, „Skandale“ aufzudecken bzw. Interessenlagen transparent zu machen. Aber nicht, daüber zu richten.

Von Ulrike Meineke

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