Einsparungen der Gesellschafter zwingen Arbeitsförderungsgesellschaft zu Strukturänderungen

Hälfte der Jobs steht auf der Kippe

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Der Geschäftsführer der Gesellschaft Hannes Walter Rühlmann stellt der Mittefraktion die Arbeit vor.

Stendal. Die Gesellschaft für Arbeitsförderung und Sanierung des Landkreises Stendal (GfAuS) steht vor einem harten Umbruch. Durch den Austritt von Hassel und durch die Absenkung der Beiträge der Gesellschafter, wie dem Landkreis, hat die GfAuS weniger Mittel zur Verfügung.

Damit müssen sie haushalten. Bereits seit 2012 sind sämtliche Rücklagen aufgebraucht. In Gefahr sind etwa die Hälfte der Jobs bei der Gesellschaft. 23 Mitarbeiter sind bei GfAuS in der Verwaltung tätig. Schon jetzt erhalten 13 davon gerade mal den Mindestlohn. „Die Mitarbeiter wurden bereits über die Lage informiert“, sagt der Geschäftsführer der Gesellschaft Hannes Walter Rühlmann bei einer Informationsrunde bei der Mittefraktion. Einsparungen seien auch bei der Transporttechnik geplant. Kosten für Grascontainer müssten dann die Auftraggeber tragen. Die GfAuS bringt Menschen zusammen mit dem Jobcenter im zweiten Arbeitsmarkt unter und hat das Ziel, ihnen eine Perspektive aufzuzeigen. Genau deshalb hält Reiner Instenberg, Fraktionsvorsitzender, die GfAuS für notwendig. Aktuell sind im Schnitt 100 Teilnehmer in Maßnahmen beschäftigt. Das reiche von der Pflege von Grünanlagen oder Friedhöfen über die Begleitung von Schülern auf dem Weg zur Schule bis zu Arbeitsgelegenheiten bei einer Bürgerinitiative. Erfolgreich ist die Gesellschaft bei der Integration von Langzeitarbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt nur sporadisch.

So hätten 2014 von 450 Teilnehmern nur elf eine Stelle bekommen. Doch für diese Menschen bedeutet es laut Rühlmann die Welt.

Die Organisation verschiedenster Maßnahmen müsse auf viele Schultern der Gesellschafter verteilt bleiben. Ansonsten müssten die Kommunen die Kosten und den Aufwand selbst tragen, erklärt Instenberg mit Blick auf die kommende Abstimmung im Stadtrat, ob Stendal in der Gesellschaft verbleiben möchte. Die wäre ein starkes Zeichen, sagt Rühlmann.

Denn obwohl der Landkreis Stendal zur Gesellschaft steht, hat der Hauptgesellschafter, der 2014 noch 190 000 Euro plus ein Verlustausgleich in Höhe von 131 651 Euro gezahlt hatte, eine Reduzierung der Mittel einstimmig beschlossen. 2016 werden es nur noch 200 000 Euro sein. In dem Beschluss wurde jedoch festgestellt, dass eine Schließung der Gesellschaft viel höhere Kosten bei der Durchführung von Maßnahmen erzeugen würde.

Leicht wird die Durchführung der Maßnahmen ohnehin nicht, denn die Förderlandschaft habe sich seit den 1990ern stark verändert. So würden Sachkosten zurückgefahren und nur noch Personalkosten übernommen. Auch werde häufiger der direkte, geförderte Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt bevorzugt.

Von Ronny Kauerhof

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