Türke Fatih Yaman fühlt sich von Johannitern schlecht behandelt / Klinik weist Vorwürfe zurück

„Haben etwas gegen Ausländer“

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Fatih Yaman behält das Stendaler Johanniter-Krankenhaus in keiner guten Erinnerung.

Stendal. „Die Schwestern hatten schon mein Bett abgezogen, da war ich noch nicht einmal richtig aus dem Zimmer raus.“ Deutsch geht Fatih Yaman nicht ganz flüssig über die Lippen. Auch so fällt es dem 38-Jährigen in diesem Moment schwer, ruhig zu bleiben.

„Entschuldigen Sie, aber ich habe mich im Stendaler Krankenhaus einfach schlecht aufgenommen gefühlt“, macht der Türke seinem Ärger gegenüber der AZ Luft. Am Dienstag sei er an der Schulter operiert worden, und am Donnerstag hätten ihn die Johanniter schon wieder an die Luft gesetzt. „In meinem Heimatland gibt es das nicht. Da kümmert man sich um seine Patienten und schmeißt sie nicht nach kurzer Zeit einfach raus.“ Der Familienvater hegt einen Verdacht: „Die Leute sind rassistisch und haben etwas gegen Ausländer.“

Der Türke klagt über starke Schmerzen. „Ich kann meine rechte Hand noch immer nicht bewegen, die ganze Seite tut weh. Doch der Arzt hat mir einfach keine weiteren Tabletten gegeben.“ Sein Krankenbett sei an den drei Tagen nur unzureichend aufgefrischt worden. „Es war dreckig, an manchen Stellen blutig.“ Auch so habe er sich gerade vom Chefarzt und den Schwestern nicht sonderlich ernst genommen und gut behandelt gefühlt. Wie sich in seinem Zustand eine Rehabilitation lohnen und der berufliche Neustart gelingen solle, wisse er nicht. Yaman ist verzweifelt. „Ich brauche noch Zuwendung und Zeit. Aus der Türkei kenne ich ein solches Verhalten nicht. Die Ärzte behandeln einen anders, menschlicher. Und auch der Ton ist ein völlig anderer“, beteuert er.

Der 38-Jährige ist mit einer Deutschen verheiratet und hat einen türkischen Pass. Seine Frau Sophia habe er in einem Hotel seiner alten Heimat kennengelernt. „Ich habe dort gearbeitet, wir haben uns gleich ineinander verliebt“, erzählt der Neualtmärker. Seit vier Jahren lebt er in Deutschland, arbeitete fast genauso lang im VW-Werk in Wolfsburg. Die Familie habe in Lindtorf ihr privates Glück gefunden, ein gemeinsames Kind verbinde beide zusätzlich. „Wir fühlen uns hier in der Gegend eigentlich ganz wohl, doch nun dieses Krankenhaus, diese Ärzte, diese Schwestern. Es zählt doch nicht allein das Medizinische, sondern auch der Umgang miteinander“, gibt sich Yaman verletzt und unversöhnlich.

Die Johanniter weisen die Vorwürfe strikt zurück. Sprecherin Claudia Klupsch: „Unsere Mitarbeiter haben ihn, wie jeden anderen Patienten auch, respektvoll behandelt, nur andersherum war dies nicht der Fall. Der Herr hat die Schwestern herumkommandiert und auch so einen nicht hinnehmbaren Befehlston an den Tag gelegt.“ Das Bettzeug könne durchaus in geringem Maße verschmutzt gewesen sein, sicherlich, allerdings sei dies in einem derart großen Klinikbetrieb nie gänzlich auszuschließen. Der Patient habe alle nötigen Behandlungen genossen und könne deshalb nun ambulant weiter behandelt werden.

Und was den Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit angehe: „Diese Karte sticht ja nun überhaupt nicht“, meint die Kliniksprecherin auf Nachfrage der AZ. Von den insgesamt 152 Ärzten der beiden Krankenhausstandorte Stendal und Genthin seien 58 ausländischer Herkunft. „Diese Menschen kommen aus 26 verschiedenen Ländern. Muss ich wirklich noch mehr sagen?“

Von Marco Hertzfeld

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