V-förmiges Bauwerk entwässerte zentralen Handelsplatz

Stendaler Marktplatz: Graben lässt Zeit einordnen

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Gut konserviert zeigte sich ein Entwässerungsgraben, den die Archäologen auf das Jahr 1218 datieren.

Stendal. Sie schützten sich vor Regen, Wind und der Sonne. Rammten dazu Pfosten und Pfähle in den Boden. Gemeint sind die Gewerbetreibenden, die vor allem zum Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts auf dem Areal des heutigen Marktes die Fläche besonders an Markttagen intensiv nutzten.

Ereignisse, die man sich in der Häufigkeit nicht wie die modernen Wochenmärkte vorzustellen hat. Vielmehr waren es Jahrmärkte, wohl zwei pro Jahr. Wobei Handwerker die Knochen von Rindern, Schafen oder Ziegen zu Textil-Kämmen und Würfeln verarbeiteten. Wo geschnitzte, gedrechselte und aus Dauben zusammengesetzte Holzgefäße hergestellt, Wolle, gar Blei und vergoldetes Silberblech bearbeitet und verkauft wurden.

Spuren im Erdreich zeugen davon. Auch, wenn der Löwenanteil der Auswertung erst ab Oktober mit dem Waschen, Sichten und Auswerten der gesammelten Fundstücke aussteht. Erste Rückschlüsse auf die Errichtung eines Kaufhauses ab dem Jahr 1179 konnten die Experten um Dr. Manfred Böhme wagen. Genaue Ergebnisse sollen im Herbst 2017 der Öffentlichkeit präsentiert werden. Bei der Datierung half vor allem ein Graben. Eichenholz, im Abstand von etwa 70 Zentimetern v-förmig in die Erde gerammt, wurde damals mit Birkenzweigen umflochten. Das war im Jahr 1218. Zurück zu den Gewerbetreibenden der Vergangenheit, die unter freiem Himmel und nicht im Kaufhaus, beziehungsweise der späteren Markthalle ihre Waren anboten. Bei Regen, aber auch in Zeiten der Schneeschmelze diente damals der Graben der Entwässerung des Platzes. Das System, was auch bei den Ausgrabungen am Kornmarkt gefunden wurde, war allerdings nicht an die Uchte angeschlossen. Regenwasser versickerte lediglich. Mit der Zeit versandete und verdreckte der Graben und wurde schließlich überbaut.

Denn Stendals Marktplatz wurde bereits um 1300 zum ersten Mal gepflastert. Damals geschah dies mit dem „Leseflaster“, mit Feldsteinen.

Von Alexander Postolache

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