Von Woche zu Woche

Das ist gelinde gesagt ein Skandal

 Das ist unglaublich! Wie weit weg von der Basis, von ihren Wählern, sind unsere Landtagsabgeordneten eigentlich? Glauben sie, wir kriegen nicht mit, welches Spiel sie treiben? Da werden kleine Landschulen geschlossen – macht drei Millionen Euro Ersparnis in Sachsen-Anhalt.

Die Schulen sind dicht, und weil die kleinen Beine nun weitere Wege haben, treibt das die Schulbus-Kosten in die Höhe. Macht unterm Strich ebenfalls genau drei Millionen Euro, wie jetzt bekannt wurde. Ein Null-Summen-Spiel also. Aber das Land hat gespart, die Schulbus-Kosten müssen ja die Landkreise tragen. Wie – das ist dem Landtag doch egal. Er hat seinen Haushalt jedenfalls sauber. Und unten, an der Basis, weiß man nicht, wie die Mehrkosten berappt werden sollen.

Gebracht haben die Schulschließungen unterm Strich also – richtig, gar nichts! Null. Die Kosten wurden nur umverlagert. Und wer muss es ausbaden? Die Jüngsten, die Kinder. Das ist gelinde gesagt skandalös.

Betrachten wir doch mal die Altmark. Allein hier wurden dieses Jahr viele Schulen geschlossen – genannt seien Hohenberg-Krusemark, Sanne, Werben, Dobberkau, Schollene, Möringen im Osten der Altmark. In der Westaltmark bangt man in Estedt, Solpke ist schon dicht, Brunau stand auf der Kippe. Und nun? Nun explodieren die Schulbus-Kosten. Für 2015 rechnet allein der Landkreis Stendal mit fast fünf Millionen Euro nur dafür. Das ist ein Anstieg um 730 000 Euro für alle Fahrten zur und von der Schule für die 8270 Schüler. Und das ist wohl noch nicht das Ende der Fahnenstange, denn schon jetzt heißt es aus Magdeburg, dass ein Schulweg von 30 Minuten „luxuriös“ sei.

Während sich überall in der Altmark der Unmut darüber regt, will der Landkreis Stendal nun bei der Regierung intervenieren. Schließlich müssen die Landkreise den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bezuschussen. Die längeren Strecken für die Mädchen und Jungen, deren Schulen geschlossen wurden und die alle noch im Grundschulalter sind, kosten richtig Kohle.

Die Landtagsabgeordneten sitzen indes hoch und trocken. Sie können sich zurück lehnen, die Arme verschränken und sagen: Wir haben gespart! Und das stimmt eben nicht. Nur auf dem Papier wurde gespart. Denn genau das, was durch die Schulschließungen eingespart wurde, kostet die Schülerbeförderung jetzt mehr. Der eine hat gespart, der andere muss die Einsparung bezahlen. Wie die Landkreise das machen, ist dem Land offensichtlich vollkommen egal. Es kürzt und kürzt – und in der Altmark geht bald gar nichts mehr.

Die Leidtragenden sind in diesem Fall die Kinder. Ihre Schulen sind zu, sie müssen länger fahren. Die Leidtragenden sind aber auch alle Altmärker, denn weniger Schulen bedeuten auch weniger Attraktivität für junge Menschen. Wer eine Familie gründen will, wird sich ein Zuhause suchen, das möglichst einen Schulstandort in der Nähe hat. Da verliert die Altmark mehr und mehr.

Wie will die Landesregierung das rechtfertigen? Wie will sie uns, den Steuerzahlern, erklären, dass die Schulschließungen unterm Strich nichts, aber auch gar nichts, gebracht haben? Dieser Debatte sollten sie sich mal stellen statt zu all und jedem per Pressemitteilung eine kluge Meinung kundzutun, die niemanden interessiert.

Von Ulrike Meineke

Rubriklistenbild: © Agenturen

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