Kreis-Behindertenbeauftragte beklagt vielerorts mangelnde Barrierefreiheit in der Rolandstadt

Gehwege „wie im 12. Jahrhundert“

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Für Menschen mit Behinderungen ist der Bahnhof laut Birgit Hartmann „eine Katastrophe“. Auch bei Gehwegen oder fehlenden Ansagen in Bussen sieht die Gleichstellungs- und Behindertenbeuaftragte viel Potenzial für Verbesserungen.

Stendal. „Für Menschen mit Behinderung ist der Stendaler Bahnhof eine Katastrophe“, ärgert sich Birgit Hartmann, Gleichstellungs- und Behindertenbeauftragte beim Landkreis sowie Mitarbeiterin im Netzwerk für Migranten, über die mangelnde Barrierefreiheit.

„Der Bahnhof bleibt ein heißes Thema“, ist sich Hartmann sicher.

Nicht nur der Bahnhof ist Hartmann dabei ein Dorn im Auge. Auch im Stadtgebiet erkennt sie Raum für Verbesserungen. „Ich mag ja Kopfsteinpflaster, aber wir leben doch nicht mehr im 12. Jahrhundert“, so die Gleichstellungsbeauftragte. Menschen mit Behinderungen oder ältere Bürger, die auf Rollatoren angewiesen sind, könnten Gehwege mit Kopfsteinpflaster nur eingeschränkt nutzen. „Wir müssen den Leuten mit Rollatoren die Möglichkeit lassen, diese Straßen zu begehen“, so Hartmann im AZ-Gespräch.

„Die Busse sprechen nicht“, ergänzt Birgit Hartmann im Hinblick auf blinde oder stark sehbehinderte Mitmenschen. „Ich weiß von zwei blinden Studenten, die immer nachfragen müssen, ob sie bereits am Ziel angekommen sind“, so die Landkreis-Mitarbeiterin. Dies sei eine Einschränkung der Selbstständigkeit, die es insbesondere bei Menschen mit Behinderungen zu vermeiden gelte.

Darüber hinaus seien akustische Signale beziehungsweise gesprochenener Text nicht nur für blinde Menschen, sondern auch für Analphabeten hilfreich. „Die Leute müssen die Busse auch nutzen können.“ Gespräche mit dem Linienbetreiber vor Ort hätten bereits stattgefunden. „Ich denke, dass das noch in diesem Jahr umgesetzt werden kann“, sagt Hartmann.

Das Thema Barrierefreiheit ist nur einer von mehreren Punkten aus dem Tätigkeitsbericht der Gleichstellungs- und Behindertenbeauftragten, den Birgit Hartmann am 10. Juni im Ausschuss für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit vorstellen wird. Programme für alleinerziehende Mütter in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter oder eine langfristige Integration von Frauen mit Migrationshintergrund stehen auch auf Hartmanns Agenda.

Die Frauen sollen insbesondere lernen, sich nach kurzer Zeit selbst untereinander bei Dingen wie Behördenangelegenheiten oder Bewerbungsgesprächen zu helfen.

Von Mike Höpfner

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