Familie Babel seit zwei Jahren im Behördenstreit

Gebläse macht Nachtruhe zunichte: Nun ist Vor-Ort-Termin geplant

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Seit über zwei Jahren wird Holger Babel in Sommernächten vom benachbarten „Pfennigpfeiffer“-Kühlgebläse in der Nachtruhe gestört. Bislang reagierte der Landkreis nicht auf ihre Beschwerden, nun ist ein Vor-Ort-Termin geplant.

Stendal. Von 22 Uhr abends bis 7 Uhr morgens herrscht im Allgemeinen Nachtruhe. Sollte man meinen. Doch für Holger und Heidi Babel ist die sommerliche Nachtruhe schon seit langer Zeit gestört.

„Seitdem Pfennigpfeiffer in unserer Nachbarschaft gebaut und auf der Gebäuderückseite eine Klimaanlage angebracht hat, müssen wir nach 22 Uhr erheblichen Lärm ertragen“, ärgert sich Holger Babel über diesen Zustand, der seit dem Sommer 2014 unverändert ist. Familie Babel wohnt an der Lüderitzer Straße in unmittelbarer Nähe des Discounters. Auf ihre Beschwerden hat der Landkreis bislang nicht reagiert. Doch nun scheint im Umweltamt Bewegung in die Sache gekommen zu sein.

„Es wird einen Termin für eine Vor-Ort-Kontrolle Anfang August geben“, so lautet die Antwort von Angela Vogel, Sprecherin im Büro des Landrates. Zwischenzeitlich sei zudem der Betreiber des Marktes über die Beschwerde informiert und „zur Stellungnahme aufgefordert“ worden. Diese liegt beim Landkreis noch nicht vor. Dass der Landkreis bei diesem Termin konkrete Absichten hat, bestätigt auch Pressesprecher Edgar Kraul. „Ein Vor-Ort-Termin des Umweltamtes, beziehungsweise der Behörde für Immissionsschutz, bedeutet immer auch eine Dezibel-Messung.“

Für Familie Babel könnte das nach mehreren Jahren der Lärmbelästigung nun wieder ruhige Sommernächte bedeuten. „Man denkt, es steht ein Zug mit laufendem Motor vor unserem Schlafzimmerfenster, der die ganze Nacht nicht abfährt“, beschreibt Heidi Babel die Geräuschkulisse, die dem Ehepaar im heimischen Schlafzimmer die Ruhe raubt. Dabei wurde das lautstarke Kühlgebläse bereits mit einem Schreiben vom 9. Juni 2014 beim Landkreis gemeldet. Hier heisst es: „Unsere Schlafräume liegen in Richtung der Geräuschquelle, sodass ein erholsamer Schlaf ausgeschlossen ist.“

Babels gingen sogar einen Schritt weiter. „Ich habe mir von meinem Arbeitsplatz ein entsprechendes Messgerät ausgeliehen und die Lautstärke gemessen“, so Holger Babel. Direkt vor dem Schlafzimmerfenster habe er „mehr als 50 dB und in ca. 15 Meter Abstand zur Geräuschquelle ca. 65 dB“ gemessen. Der Landkreis, hier die Untere Immissionsschutzbehörde, bestätigte den Eingang des Schreibens. Ansonsten kam bislang keine Rückantwort. Ein erneuter Beschwerdebrief, den Heidi und Holger Babel am 29. Juni 2015 unter Angabe des Aktenzeichens versandten, blieb gänzlich ohne Rückantwort. „Am schlimmsten finde ich, dass sich keiner kümmert. Auch die Geschäftsführung des Pfennigpfeiffer hat auf unsere Anfragen nicht reagiert“, ärgert sich Heidi Babel.

Der Chef des Umweltamtes, Markus Mösenthin, hat sich nun der Sache angenommen, wie Edgar Kraul berichtet. Sobald der entsprechende Sachbearbeiter aus dem Urlaub zurück sei, solle vor dem Vor-Ort-Termin noch eine Auswertung der Situation erfolgen. „Die Sache ruht schon sehr lange“, so Kraul.

Von Mike Höpfner

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