Cora Stephan entdeckt für ihren Margo-Roman Stendal

„Für uns Wessis ein Augenfest“

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Cora Stephan, die über die Geschichte der Sozialdemokratie promoviert hat, freut sich auf die Altmark.

Stendal. In Cora Stephans neuestem Werk steckt jede Menge Stendal, und auch Tangermünde ist der Publizistin mehr als nur ein Ausflug wert. Mit ihrem brandaktuellen Roman „Ab heute heiße ich Margo“ scheint die Hessin speziell den Nerv der Altmärker zu treffen.

Sie verbindet lesenswert die große Politik mit dem Schicksal des kleinen Mannes und verwebt das Ganze mit eigener Familiengeschichte. Bekannt ist die gebürtige Niedersächsin bislang vor allem für ihre preisgekrönten Krimis, die sie größtenteils unter dem Pseudonym Anne Chaplet geschrieben hat. Mit dem Sachbuch „Angela Merkel. Ein Irrtum“ sorgte die Autorin ebenfalls für Aufsehen. Aus ihrem Stendal-Buch liest die 65-Jährige am 10. Juni ab 19 Uhr in „Kaffeekult“. Karten gibt es in der Buchhandlung Genz. Die AZ hat die Schriftstellerin schon einmal zu ihrem Buch befragt.

Interview

Ihr Buch „Ab heute heiße ich Margo“ ist bereits Stadtgespräch. Wie erklären Sie sich das?

Das freut mich natürlich sehr. Erklären müssen mir das die Leser in Stendal – ich hoffe, dass ich vielen von ihnen bei meiner Lesung im Juni begegnen werde.

Für jene, die das Buch noch nicht gelesen haben, welche Rolle spielt Stendal in Ihrem Werk?

Zwischen 1936 und 1945 ist Stendal mein Knotenpunkt: der Ort, an dem sich meine beiden Heldinnen Margo und Helene auf schicksalhafte Weise begegnen. Mir war wichtig, diese Zeit in der deutschen Geschichte mal nicht aus dem Blickwinkel der Hauptstadt zu beschreiben.

Sie haben auch vom Leben abgeschrieben, wie Sie selbst betonen. Was verbindet Sie mit Stendal, stammen Ihre Eltern aus der Stadt, verraten Sie uns bitte etwas mehr?

Die Schwester meines Vaters, meine Tante Gudrun Käding, eine hoch talentierte Fotografin, hat in Stendal bei Walter Werner in der Breiten Straße eine Lehre gemacht. Von ihr habe ich viele Details aus dem Leben eines Fotolehrlings übernommen. Ein Teil ihrer Erinnerungen ist im Stadtarchiv einsehbar.

Sie tragen denselben Familiennamen wie ein früherer Bürgermeister der Stadt. Welche Berührungspunkte mit der Familie von Dr. Volker Stephan gibt es?

Mein Großvater war Paul Stephan, Regierungs-Landmesser, der mit seiner Familie ab 1936 in Stendal wohnte, und zwar in der Blumenthalstraße. Ich glaube nicht, dass beide verwandt sind, der Name Stephan ist ja doch recht weit verbreitet.

Sie sind bislang eigentlich mehr für Krimis und Sachbücher bekannt, warum jetzt ein Roman und das auch noch ohne Pseudonym?

Das ist ein Herzensbuch. Wenn Sie so wollen: mit den Krimis habe ich für dieses Buch nur geübt. Es konnte also gar nicht unter Pseudonym erscheinen.

Sie schreiben auffallend detailgetreu. Wie lange haben Sie in Stendal und auch in Tangermünde recherchiert, und wer hat Ihnen vor Ort gerade in der Rolandstadt dabei geholfen?

Es war wunderbar, durch Stendal und Tangermünde zu streifen, ich bin alle Wege abgegangen, die meine Heldinnen gegangen sein müssen. So halte ich das eigentlich immer, wenn ich Bücher schreibe: Ich muss den „Tatort“ gesehen, gerochen, gespürt haben. Was viele andere historische Details betrifft: Sehr wertvoll war mir die Hilfe von Ina Nitzsche im Stadtarchiv. Sie hat mir herangeschleppt, was das Herz alles so begehrte.

Wie viel näher ist Ihnen Stendal durch die Arbeit am Buch gekommen, haben Sie vielleicht dort sogar einen Lieblingsplatz gefunden?

Vor allem die Farben haben es mir angetan: überall roter Backstein mit sahnefarbenem Gesimse. Das prächtige Uenglinger Tor. Das Rathaus, natürlich. Das Alte Dorf! Die liebevoll restaurierten alten Kasernen! Haben Sie genug Platz? Dann könnte ich weiter schwärmen.

Wie viel Stendal der 1930er-Jahre steckt noch in Stendal, was haben Sie gesehen, was anderen vielleicht gar nicht mehr auffällt?

Für uns Wessis ist es immer wieder ein Augenfest, zu bestaunen, wie viel im Osten Deutschlands noch erhalten ist aus dem historischen Deutschland, was man im Westen längst abgerissen hat. Ich hoffe, dass es auch all denen noch auffällt, die dort wohnen.

Sie lesen am 10. Juni in Stendal, werden Sie auch Bücher signieren und wo führt Sie der Roman noch hin?

Ich lese gern und selbstverständlich signiere ich auch Bücher, wenn das gewünscht ist. Bislang führt mich der Roman vor allem auf Lesereise in den Norden, das freut mich als ehemalige Niedersächsin.

Von Marco Hertzfeld

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